25.03.2020 | Corona-Maßnahmen

Was die Pandemie für Azubis bedeutet

Berufsschule zu? Wie geht es mit der Ausbildung weiter? Was ist mit meiner Übernahme? Die Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus betreffen auch Azubis. Die wichtigsten Informationen und Tipps aus Gewerkschaftskreisen.

Fragezeichen junge Frau
Auch für Azubis tun sich derzeit viele Fragen auf © ferlistockphoto/ Getty Images/iStock

Das sich immer schneller verbreitende Corona-Virus und die verschärften Regeln zur Eindämmung der Pandemie hat auch die Arbeitswelt gehörig durcheinander gewirbelt. Aber was bedeutet das für Azubis? Die Gewerkschaft IG Metall hat folgende Fragen und Antworten zusammengetragen, die wir hier in Kurzform zusammenfassen und die hier online abrufbar sind.

Ich habe Angst mich mit Corona anzustecken, darf ich deswegen zu Hause bleiben?

Grundsätzlich müssen Azubis auch in Pandemie-Zeiten zur Ausbildung erscheinen. Ein Recht zur Arbeitsverweigerung besteht nur dann, wenn eine konkrete Gesundheitsgefahr zu befürchten ist. Wann dieser Zeitpunkt erreicht ist, kann individuell verschieden sein. Je nach besonderen persönlichen Risikofaktoren und den konkreten betrieblichen Umständen wird es für manche Auszubildende früher unzumutbar sein, im Betrieb zu erscheinen als für andere.

Wenn die Berufsschule schließt, habe ich dann frei?

Nein. Findet kein Unterricht an der Berufsschule statt, müssen die Auszubildenden im Betrieb erscheinen. Hintergrund ist, dass der Betrieb die Auszubildenden für die Teilnahme am Berufsschulunterricht von der betrieblichen Ausbildung freistellt. Da viele Unternehmen derzeit aber individuelle Regelungen im Zusammenhang mit dem Corona-Virus treffen, sollten sich Azubis vorab bei ihrem Arbeitgeber erkundigen. Bietet deine Berufsschule alternativen Unterricht, z.B. online an, muss der Betrieb dich dafür aber freistellen. 

Darf ich ins Home-Office?

Auszubildende sollen in der Regel nicht von zu Hause arbeiten. Daher müssen im Betrieb Vorkehrungen getroffen werden, das betrifft vor allem die bekannten Hygienemaßnahmen. In Zeiten des erhöhten Ansteckungsrisikos sollten größere Versammlungen vermieden werden, d. h. Schulungen sollten mit einer minimalen Anzahl von Auszubildenden durchgeführt werden.

Mein Betrieb schließt und schickt alle Mitarbeiter nach Hause. Wie geht es jetzt mit meiner Ausbildung weiter?

Da Kurzarbeit regelmäßig nicht für Auszubildende gilt, ist die Ausbildung so umzuorganisieren, dass weiterhin ausgebildet werden kann. Das bedeutet auch, dass Ausbilderinnen und Ausbilder zu jeder Zeit zur Verfügung stehen müssen und nicht alle gleichzeitig zu Hause bleiben können. Weiterhin darf die Ausbildungsvergütung für die Azubis nicht gekürzt werden, der Ausbildungsbetrieb ist auch weiterhin zur Zahlung verpflichtet, auch wenn der Auszubildende durch die im Betrieb geltende Kurzarbeit nicht mehr ausgebildet wird. Sind alle Maßnahmen des Betriebs zur Umorganisation ausgeschöpft, dürfen in ganz wenigen Ausnahmefällen auch Azubis nach Hause geschickt werden. Aber selbst dann muss die Vergütung weitergezahlt werden. Sobald die Berufsschulen wieder geöffnet haben, sind die Azubis verpflichtet diese wieder regelmäßig zu besuchen.

Die Prüfungstermine für Abschluss und Zwischenprüfungen sind verschoben, mein Ausbildungsverhältnis endet aber vorher. Was nun?

Im Grunde endet nach Ablauf der im Berufsausbildungsvertrag vorgesehenen Zeit das Berufsausbildungsverhältnis automatisch, auch wenn der Azubi seine Abschlussprüfung noch nicht abgelegt oder noch nicht bestanden hat. Findet die Abschlussprüfung nach dem vereinbarten Ende der Ausbildungszeit statt und wird die Ausbildung im Hinblick auf die Prüfung tatsächlich fortgesetzt, gilt eine entsprechende Verlängerung der Ausbildungszeit in der Regel als stillschweigend vereinbart. Außerdem kann der Auszubildende die Verlängerung des Berufsausbildungsverhältnisses bis zur Bekanntgabe des Prüfungsergebnisses verlangen.

Was passiert mit meiner Übernahme?

Die bestehenden tarifvertraglichen Regelungen zur Übernahme bleiben weiter bestehen, solange keine neue Vereinbarung im Betrieb getroffen wurde. Wenn eine Übernahmevereinbarung innerhalb der letzten sechs Monate vor Ende der Ausbildung geschlossen wurde, behält diese ihre Wirksamkeit. Auch mündliche Vereinbarungen sind wirksam, jedoch wird empfohlen diese Vereinbarung schriftlich zu schließen. Diese Vereinbarung kann nicht ohne wichtigen Grund gekündigt werden. Azubis sollten sich in dieser Frage aber in jedem Fall an den Betriebsrat wenden.

Quelle: IG Metall

 

Verwandte Meldungen

Pasta Express DB Schenker
03.04.2020
Weil Transporte nach Italien wegen der Coronakrise eingeschränkt sind, fehlen dort Lkw und Züge für den Weg zurück. DB Schenker hat deshalb schon mehr als 200 Tonnen Aldi-Nudeln mit einem Pasta-Express transportiert.
Mehr
Toilettenpapier
01.04.2020
In letzter Zeit stand so mancher im Supermarkt vor leeren Toilettenpapier-Regalen, dabei versichern Industrie und Handel: Es gibt genug Klopapier. Der Hafen Hamburg erklärt anschaulich, wie die Lieferketten für Papier funktionieren.
Mehr

ÜBER UNS

Die Nachwuchsinititative

"Hallo, Zukunft!" ist eine Nachwuchsinitiative für Ausbildungsberufe in Verkehr, Transport und Logistik des Verlags Heinrich Vogel und seinen Zeitschriften VerkehrsRundschau, TRUCKER, BUSFahrer.

Mehr
Anzeige

UNTERSTÜTZERKREIS

SCHIRMHERRSCHAFT

Andreas Scheuer

Schirmherr der Nachwuchsinitiative "Hallo, Zukunft!" ist Andreas Scheuer MdB
Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur. 

Die Nachwuchsarbeit liegt ihm besonders am Herzen: "Die Logistik hält Deutschland am Laufen. Waren es früher in erster Linie Unternehmen, die auf Logistik angewiesen waren, so sind es heute zunehmend auch ganz normale Verbraucher. So ziemlich jeder bestellt mittlerweile Waren im Internet und freut sich, wenn sie ihm in kürzester Zeit nach Hause geliefert werden. Logistik erleichtert Menschen das Leben – und ist damit eine echte Zukunftsbranche! Ich freue mich sehr, dass die Ausbildungsinitiative „Hallo, Zukunft“ dabei hilft, Schülerinnen und Schüler für diese Zukunftsjobs zu begeistern."

INITIATOREN