13.11.2019 | Serie zu Logistikberufen

Busfahrer/in im Berufs-Check

In Kooperation mit dem Job-Matching-Portal BirdieMatch nehmen wir die vielfältige Jobwelt in der Transport- und Logistikbranche unter die Lupe. Dieses Mal im Beruf-Check: Busfahrer/in.

Busfahrer
Busfahrer/in ist ein vielseitiger Beruf mit viel Kundenkontakt © Syda Productions/AdobeStock.com

War es nicht als Kind schon faszinierend, im Bus ganz vorn zu sitzen, das große Lenkrad zu bewundern und das Straßentreiben durch die riesige Frontscheibe zu beobachten? Der Beruf des Busfahrers bietet tatsächlich ein spannendes Umfeld, einen abwechslungsreichen Arbeitsalltag inklusive flexibler Arbeitszeiten und hoher Job-Sicherheit. Wer Hunderte von Menschen am Tag transportiert, ob Nah- oder Fernverkehr, hat nach Feierabend immer etwas zu erzählen. Was Busfahrer und Busfahrerinnen neben der Fahrtätigkeit alles machen und was für eine große Verantwortung sie tragen, haben wir für Sie in unserem Berufs-Check aufbereitet.

1. Was machen Busfahrer/innen?

Sie bringen täglich Hunderte von Menschen im Pendlerverkehr sicher an ihr Ziel, kutschieren Touristen zu begehrten nationalen und internationalen Reisezielen sowie Schüler und Schülerinnen in die Schule. Sie befördern Passagiere über das Rollfeld zu ihrem Flugzeug, fahren ihre Stadtrouten von einer Sehenswürdigkeit zur anderen und halten an Haltestellen des städtischen und regionalen Linienfahrplans. Zigtausend Menschen sind abhängig von ihren Fahrkompetenzen. Ein Großteil der Arbeitszeit sitzen sie am Steuer. Darüber hinaus stehen Busfahrer/innen in der Verantwortung, vor und nach den Fahrten den verkehrs- und betriebssicheren Zustand der Fahrzeuge sicherzustellen. Grundsätzlich sind sie dafür verantwortlich, dass die Passagiere ihr Ziel sicher und pünktlich erreichen. Im Linien- und Schulverkehr beachten sie zusätzlich die Einhaltung der Fahrpläne, verkaufen Fahrkarten bzw. prüfen Fahrausweise. Im Ausflugs- und Reiseverkehr verstauen Busfahrer/innen das Reisegepäck und betreuen die Fahrgäste. Kommt es zu Änderungen der Ankunftszeit oder ungeplanten Zwischenfällen wie Staus oder Unfällen, informieren sie die ihre Passagiere. Kleinere Störungen und Defekte beheben sie selbst. Wenn nötig, wechseln sie einen Reifen und füllen Öl nach. Während der Fahrt übernehmen sie die  Reiseleitung, erläutern den Ablauf und weisen auf Hot Spots entlang der Route hin. Sie sind Ansprechpartner/in für die Fahrgäste bei Problemen oder besonderen Wünschen, wie zum Beispiel einer zusätzlichen Pause. Bei Grenzübertritten kümmern sie sich um Zollformalitäten und Einreisebestimmungen.

Aufgaben und Tätigkeiten im Überblick

Vorbereitung:

  • Fahrzeug auf verkehrssicheren/vorschriftsmäßigen Zustand überprüfen (Tankladung, Bremsanlagen, Beleuchtungseinrichtungen, Reifen)
  • im Linienverkehr: Anzeigetafeln einstellen
  • im Gelegenheits- und Reiseverkehr: Routenplanung, Bordküchen-, Bordtoilettenausstattung kontrollieren, Reisegepäck verstauen

Busfahrt durchführen:

  • Verantwortung für einen reibungslosen Ablauf der Fahrt
  • im Linienverkehr: Fahrpläne einhalten, Fahrausweise prüfen, Fahrgeld kassieren, Fahrgäste über Fahrkarten/-ausweise, Tarife bzw. Fahrtstrecken informieren, Anzeige des korrekten Fahrziels auf der Anzeigetafel
  • im Gelegenheits- und Reiseverkehr: Reisegepäck verstauen, Reisende über Fahrtrouten und Sehenswürdigkeiten informieren, ggf. Snacks und Getränke verkaufen
  • Fahrzeug führen, vorgeschriebene Lenk- und Ruhezeiten einhalten

Nach den Fahrten:

  • Fahrzeug reinigen und pflegen
  • Überprüfung des Fahrzeugs, kleinere Störungen bzw. Defekte beseitigen und ggf. tanken
  • Sicherstellung liegengebliebener Gegenstände 

2. Arbeitszeiten

Busfahrer/innen arbeiten zu unregelmäßigen Zeiten im Schichtdienst und auch oft dann, wenn andere frei haben.

3. Die Ausbildungen zum Busfahrer und zur Busfahrerin 

Es gibt zwei Wege für angehende Busfahrer/innen: die Ausbildung zum Berufskraftfahrer oder zur Fachkraft im Fahrbetrieb. Beides dauert je drei Jahre; es werden jedoch unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt. Die theoretischen Kenntnisse werden in der Berufsschule vermittelt, den praktischen Teil übernehmen die Verkehrsbetriebe.

3.1 Ausbildung zum/r Berufskraftfahrer/in

Man kann zwei verschiedene Wege einschlagen. Wer lieber Ware transportiert, kann mit der Ausbildung seinen Grundstein für seine Karriere als Lkw-Fahrer legen. Wer gerne unter Menschen ist und diese auch lieber befördert, wählt den Beruf des Busfahrers. Entscheidend ist die Wahl des Ausbildungsbetriebs. Lkw-Fahrer und -Fahrerinnen lernen in Speditionen, angehende Busfahrer und Busfahrerinnen in einem Busunternehmen.  

Voraussetzungen für die Ausbildung zum/r Berufskraftfahrer/in sind neben der Volljährigkeit das Vorhandensein eines Pkw-Führerscheins (seit mindestens einem Jahr) und die bestandene medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU).

Die Ausbildung ist technisch geprägt. Schwerpunkte sind u. a. die Straßenverkehrsordnung, das Feststellen und Beheben technischer Fehler und Mängel am Fahrzeug, wirtschaftliches Fahren, Tarifrecht und Kundenkommunikation, aber auch Routen- und Tourenplanung oder Repräsentation des eigenen Betriebs.

3.2 Ausbildung zur Fachkraft im Fahrbetrieb

Hier beschäftigt man sich mehr mit den kaufmännisch-serviceorientierten Aspekten des Berufs. Erlernt werden Anforderungen im Kundenkontakt, z. B. das Managen von Beschwerden oder das Kommunizieren von Störungen und kurzfristigen Fahrplanänderungen, Grundlagen des Unternehmensmanagements, tarifrechtliche, gesetzliche und vertragliche Bestimmungen für den Personennahverkehr oder auch die Erstellung von Fahr- und Dienstplänen. Der Gesetzgeber schreibt keine konkreten Zugangsvoraussetzungen vor. Einige Betriebe verlangen eine erfolgreiche medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) sowie ein augenärztliches Zeugnis.

3.3 Quereinstieg

Neben der dreijährigen Ausbildung ist der Beruf des Busfahrers auch für Quereinsteiger interessant. Aufgrund des Personalmangels bieten viele Unternehmen an, sich durch eine Umschulung schneller ausbilden zu lassen. Ein LKW-Führerschein ist hilfreich. Ein Pkw-Führerschein sollte in jedem Falle vorhanden sein. Alternativ besteht die Möglichkeit einer Kurzausbildung zum Omnibusfahrer im öffentlichen Nahverkehr. Diese Ausbildung dauert 4-6 Monate und berechtigt zum Führen eines Busses im Linienverkehr.

4. Wo arbeiten Busfahrer/innen?

Busfahrer und Busfahrerinnen arbeiten für öffentliche oder private Unternehmen des Personenkraftverkehrs, zum Beispiel für kommunale Verkehrsbetriebe oder Reiseunternehmen, nationale und internationale Reise- und Linienverkehrsunternehmen.

5. Welche Fähigkeiten muss man mitbringen?

Busfahrer und Busfahrerinnen müssen jederzeit über ein hohes Maß an Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit verfügen, da der Straßenverkehr stets die volle Aufmerksamkeit erfordert. Verantwortungsbewusst orientieren sich Busfahrer/innen an den geltenden Regeln der Straßenverkehrsordnung, achten auf die gesetzlich vorgeschriebenen Ruhezeiten und können mögliche Gefahrensituationen bereits im Vorfeld einschätzen und vermeiden. Die Personenfracht verlangt ein besonderes Maß an Aufmerksamkeit und Verantwortungsbewusstsein.

Sie haben ausgeprägte Fähigkeiten im Lenken und Rangieren großer Fahrzeuge und ein technisches Verständnis, sodass sie die Fahrtüchtigkeit ihres Fahrzeugs einschätzen und entsprechende Mängel diagnostizieren können. Die Fahrer/innen können mit den physischen Herausforderungen ihres Berufs gut umgehen, die vor allem aus dem langen Sitzen und den unregelmäßigen Arbeitszeiten im Schichtdienst resultieren und im Reiseverkehr zudem oft aus tagelanger Abwesenheit von Zuhause bestehen.

Da sie der unmittelbare Ansprechpartner der Fahrgäste sind und deshalb in permanentem Kontakt zu Menschen stehen, sind ein freundliches, kundenorientiertes Auftreten und eine gute Kommunikationsfähigkeit wichtige Eigenschaften. Sie müssen in der Lage sein, konstruktiv auf kritische Äußerungen oder Beschwerden wegen Fahrplanänderungen oder Verzögerungen zu reagieren und den Fahrgästen jederzeit kompetent Auskunft geben zu können.

Sorgfalt beim Führen des Fahrtenbuches und beim Verkauf und der Kontrolle der Fahrscheine ist ebenfalls eine wichtige Eigenschaft in diesem Beruf. Ein gepflegtes Äußeres und eine gute Kommunikationsfähigkeit im Kontakt mit anderen Bereichen, wie Leitstelle oder Werkstatt (etwa bei Störungen oder Defekten), runden das Anforderungsprofil ab.

Im Überblick:

  • Freude am Fahren
  • Hohe Konzentrationsfähigkeit
  • Schnelle Reaktion im Straßenverkehr
  • Verantwortungsbewusstsein
  • Technische Affinität
  • Körperliche Fitness
  • Stress-Resistenz
  • Bereitschaft für Schichtdienst
  • Freundliches, kommunikatives Auftreten
  • Sorgfalt
  • Gepflegtes Erscheinungsbild

6. Welche Zukunftsaussichten haben Busfahrer/innen?

Sie haben eine sehr positive Berufsperspektive. Die Beförderungszahlen des öffentlichen Nahverkehrs sind in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Das zunehmende Umweltbewusstsein der Bevölkerung und die steigenden Benzinpreise lassen die öffentlichen Verkehrsmittel in der Beliebtheit steigen. Viele Busfahrer/innen gehen in Rente, sodass die Unternehmen unter akutem Personalmangel leiden.

7. Karrieremöglichkeiten

Nach der Ausbildung kann man als berufserfahrene/r Busfahrer/in weitere Fortbildungs- und Weiterbildungsmaßnahmen absolvieren. Zum einen lässt sich das Tätigkeitsfeld erweitern, zum anderen das Einkommen erhöhen.

Für viele Busfahrer/innen ist die zweijährige Weiterbildung zur/m Techniker/in eine spannende Option. Der Fokus liegt auf Fahrzeugtechnik und Mobilitätsmanagement.

Busfahrer/innen, für die der operative Aspekt der Personenbeförderung nicht wichtig ist, bietet sich eine Fortbildung zur/m Fachwirt/in an. Mit dieser Zusatz-Qualifikation kann man sich kaufmännischen Tätigkeiten im Unternehmen oder Verkehrsverbund widmen.

Der bei Lastkraftfahrern/innen eher gängige Meistertitel im Kraftverkehr ist ebenfalls als Busfahrer/in realisierbar. Bei einer maximalen Dauer von acht Monaten erlernt man fachspezifisches Wissen und umfangreiche Führungskompetenzen für die zukünftigen Herausforderungen außerhalb des Reisebusses.

Ausgebildete Fachkräfte im Fahrbetrieb haben es leichter, sich bezüglich strategischer und personalbezogener Aufgaben im Unternehmen weiterzuentwickeln. Je nach Interesse können sie Weiterbildungen im Marketing, im Vertrieb, im Bereich des Verkehrs, oder auch als Gefahrengutlenker/in machen.

8. Kleiner Gehaltsreport für Busfahrer/innen

Die Höhe des monatlichen Gehalts als angehende/r Busfahrer/in hängt sowohl vom Bundesland als auch vom jeweiligen Ausbildungsbetrieb ab. Im Rahmen der Ausbildung nimmt das monatliche Einkommen jährlich zu. Im ersten Ausbildungsjahr liegt die durchschnittliche Vergütung zwischen 530,00€ bis 670,00 € brutto im Monat. Im darauffolgenden Lehrjahr können Azubis mit etwa 560,00 € bis 720,00 € brutto im Monat rechnen. Im dritten Jahr erhalten die Lehrlinge monatlich 600,00 bis 800,00 € brutto im Monat. Die Werte können je nach Ort und Busbetrieb variieren.

Das Einstiegsgehalt nach dem Ende der Ausbildung bewegt sich zwischen 1600 und 2200 Euro. Der durchschnittliche Verdienst von Busfahrern/innen mit mehr Berufserfahrung liegt in Deutschland bei 2.234 € brutto im Monat. Das entspricht einem Stundenlohn von etwa 15,51 €. Die Gehaltsspanne zeigt, dass die meisten Busfahrer/innen zwischen 1.699 und 3.201 € verdienen. Sie gehören zu Angestellten des Öffentlichen Dienstes und werden nach Tarifverträgen bezahlt.

9. Blick in die Zukunft

Der Bedarf an Fachkräften ist aufgrund von Pensionierungen so groß wie noch nie. Städte wachsen, immer mehr ältere Menschen sind an Busreisen interessiert. Busfahrer werden sowohl im Linien- als auch im Reiseverkehr händeringend gesucht. Bis selbstfahrende Fahrzeuge straßentauglich sind, wird es noch einige Jahrzehnte dauern. Es ist unwahrscheinlich, dass die Nachfrage nach Busfahrern/innen in den nächsten Jahren sinkt. Besonders private Verkehrsbetriebe haben momentan Schwierigkeiten, geeignetes Personal zu finden. Talentierter Nachwuchs ist gern gesehen!


Quelle: BirdieMatch hat sich auf Online-Job-Matching - nach dem Vorbild von Partnerbörsen - für Logistiker spezialisiert. Die Vision des im Oktober 2015 gegründeten Hamburger Unternehmens ist einfach: Logistiker sollen erfolgreich ihren Traumjob finden und Unternehmen ihre Logistik-Stellen mit passenden Kandidaten besetzen können. Ursprünglich mit dem Fokus auf kaufmännische Fach- und Führungskräfte gestartet, vermittelt BirdieMatch nun auch Jobs für Lagermitarbeiter/innen und Berufskraftfahrer/innen.   

Verwandte Meldungen

Mindestlohn
11.12.2019
Das so genannte Berufsbildungsmodernisierungsgesetz beinhaltet neben einer Mindestausbildungsvergütung die drei Fortbildungsstufen „Geprüfter Berufsspezialist“, „Bachelor Professional“ und „Master Professional“ sowie die Azubi-Freistellung für Berufsschultage.
Mehr
Lagerlogistik
09.12.2019
In Kooperation mit dem Job-Matching-Portal BirdieMatch nehmen wir die vielfältige Jobwelt in der Transport- und Logistikbranche unter die Lupe. Dieses Mal im Beruf-Check: Fachlageristen und Fachkräfte für Lagerlogistik.
Mehr

ÜBER UNS

Die Nachwuchsinititative

"Hallo, Zukunft!" ist eine Nachwuchsinitiative für Ausbildungsberufe in Verkehr, Transport und Logistik des Verlags Heinrich Vogel und seinen Zeitschriften VerkehrsRundschau, TRUCKER, BUSFahrer.

Mehr

UNTERSTÜTZERKREIS

SCHIRMHERRSCHAFT

Andreas Scheuer

Schirmherr der Nachwuchsinitiative "Hallo, Zukunft!" ist Andreas Scheuer MdB
Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur. 

Die Nachwuchsarbeit liegt ihm besonders am Herzen: "Die Logistik hält Deutschland am Laufen. Waren es früher in erster Linie Unternehmen, die auf Logistik angewiesen waren, so sind es heute zunehmend auch ganz normale Verbraucher. So ziemlich jeder bestellt mittlerweile Waren im Internet und freut sich, wenn sie ihm in kürzester Zeit nach Hause geliefert werden. Logistik erleichtert Menschen das Leben – und ist damit eine echte Zukunftsbranche! Ich freue mich sehr, dass die Ausbildungsinitiative „Hallo, Zukunft“ dabei hilft, Schülerinnen und Schüler für diese Zukunftsjobs zu begeistern."