28.08.2019 | Serie zu Logistikberufen

Gabelstaplerfahrer im Berufs-Check

In Kooperation mit dem Job-Matching-Portal BirdieMatch nehmen wir die vielfältigen Jobwelt in der Transport- und Logistikbranche unter die Lupe. In dieser Folge: Gabelstaplerfahrer.

Gabelstapler Lager
Gabelstaplerfahrer sind für zahlreiche Arbeiten in der Logistik unerlässlich © Jungheinrich

Innovative Technologien, Unfallvermeidung, Güter unterschiedlichster Art – Themen, mit denen ein/e Staplerfahrer/in täglich zu tun hat. Neben dem branchenüblichen Fahrschein und viel Routine ist vor allem Verantwortung gefragt. Das Berufsbild unterliegt einem rasanten Wandel. Es geht nicht mehr nur um das pure Befördern von Lasten, sondern auch um das Einbinden technischer Prozesse in den Arbeitsablauf. Gabelstapler und Flurförderzeuge entwickeln sich stetig weiter. Modernste IT ist mittlerweile aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Sie macht Prozesse nicht nur effizienter, sondern erhöht Komfort und Sicherheit der Mitarbeiter. Ob Hubkommissionierer oder Schubmaststapler für verschiedene Höhen: ergonomische Vorteile und Stabilitätsfaktoren rutschen in den Fokus und verbessern die Arbeitsbedingungen. Staplerfahrer/innen haben eine wichtige Funktion in der Logistik. Ohne sie wären Ladevorgänge sowie das innerbetriebliche Transportieren von Gütern kaum denkbar. Was Fahrer/innen den ganzen Tag machen, wie sie von neuen Technologien profitieren und weitere wissenswerte Fakten erfahren Sie hier in unserem Berufs-Check.  

Was machen Gabelstaplerfahrer/innen?

Ihr Hauptaufgabengebiet ist der innerbetriebliche Transport von Gütern in Warenlagern und auf Unternehmensgeländen. Mit Gabelstaplern und anderen Flurfördergeräten bewegen sie Paletten, lagern sie ein oder stapeln sie, um die Produkte für den weiterführenden Transport bereitzustellen. Des Weiteren führen sie Be- und Entladearbeiten von Containern und LKW durch. Wartung und Pflege der Fördergeräte und -einrichtungen gehören ebenfalls zu ihrem Verantwortungsbereich. Nicht immer ist der Job als Staplerfahrer/in auf das Führen von Fahrzeugen beschränkt. Je nach Anstellung wird man möglicherweise auch zu anderen Arbeiten herangezogen. Dazu zählen Bestands- und Lagerpflege oder Bereitstellung von Waren für die Produktion oder Auslieferung. Vielfach kommen dabei auch Terminal- und Scannertechnik zum Einsatz.

Der Beruf im digitalen Wandel

Die meiste Zeit verbringen die Fahrer/innen auch heute noch auf dem Gabelstapler. Umso wichtiger, dass die unmittelbare Arbeitsumgebung im Fokus von Optimierungsbemühungen steht. In Flurfördergeräten der neueren Generation finden sie inzwischen allen ergonomischen Komfort. Eine voll technisierte Steuerung erleichtert die Arbeit. Dazu gehören ein bequemerer Einstieg und individuell anpassbare Sitze, die Gesundheitsbeeinträchtigungen vorbeugen und gleichzeitig zur Steigerung der Produktivität beitragen. Mit intuitiv bedienbaren Geräten können sich Staplerfahrer/innen besser auf schnelles und effizientes Befördern und Lagern von Lasten konzentrieren. Viele Fahrzeuge messen heutzutage laufend Geschwindigkeit, Befehle, Lenkeinschlag, Hubhöhe und Mastbewegungen und passen sich per optimierter Leistungsregelung Neigung und Ausfahrgeschwindigkeit automatisch an. Die Staplerfahrer/innen können sich in ihrem Job auf Stabilität und Sicherheit verlassen.

Wie wird man Gabelstaplerfahrer/in?

Für die Tätigkeiten als Gabelstaplerfahrer/in ist weder eine bestimmte Ausbildung vorgeschrieben, noch wird eine berufliche Vorbildung erwartet. Nicht einmal ein Schulabschluss ist notwendig. Lediglich der Gabelstaplerführerschein ist Pflicht. Anwärter/innen erlernen theoretische Kenntnisse und praktische Fertigkeiten zum sicheren und wirtschaftlichen Umgang mit Gabelstaplern.

Der Staplerschein

Dauer und Kosten: Die sogenannte „Ausbildung und Beauftragung der Fahrer von Flurförderzeugen mit Fahrsitz und Fahrerstand“ geht in der Regel über ein bis drei Tage. Das Programm teilt sich in einen theoretischen und einen praktischen Teil und schließt mit einer Prüfung ab. Die Kosten belaufen sich je nach Dauer auf ca. 50 bis 400 Euro. Entweder zahlt der/die Kandidat/in selbst oder das Unternehmen, für das er/sie eingesetzt werden soll, übernimmt die Rechnung. Wer arbeitssuchend ist und mithilfe des Staplerscheins bessere Chancen auf eine Einstellung hat, kann eine Kostenübernahme bei der Bundesagentur für Arbeit beantragen. Es ist übrigens nicht korrekt, dass Inhaber des Führerscheins für PKW und LKW automatisch die Erlaubnis für den Stapler haben. Die Fahrpraxis ist hilfreich beim Verständnis für das Fahren eines Staplers, die erforderliche Ausbildung kann sie jedoch nicht ersetzen.

Folgende rechtlich geregelte Bedingungen muss man erfüllen, um den Staplerschein zu erwerben:

  • Mindestalter von 18 Jahren (In Ausnahmen kann man den Staplerschein im Rahmen einer Ausbildung bereits ab einem Alter von 16 Jahren erwerben. Das ist jedoch betrieblich an weitere Voraussetzungen geknüpft)
  • Körperliche Eignung (ärztliche Untersuchung, wie z.B. die arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung G25 “Fahr- Steuer- und Überwachungstätigkeiten”, mit besonderem Augenmerk auf Sehschärfe, räumliches Sehen, Hörvermögen, Beweglichkeit der Gliedmaße, gute Reaktionsfähigkeit, gute Augen-Hand-Koordination)
  • Ausbildung für das selbstständige Führen
  • Eine schriftliche Beauftragung des Unternehmens

Den Lehrgang absolviert man bei der DEKRA, dem TÜV, bei Gabelstapler-Händlern, bei zertifizierten IAG-Ausbildungsbetrieben oder bei freiberuflichen Ausbildern. Eine Schulung findet im Niederlassungsort der Einrichtung oder direkt auf dem Gelände des Arbeitgebers statt.

Ausbildungsinhalte:

  • Führen eines Gabelstaplers (Laden und Entladen)
  • Aufbau und Funktionsweise von Flurförderzeugen,
  • Betriebsanweisungen, innerbetriebliche Verkehrswege, Verkehrsregeln
  • Betrieb, Wartung, Reparatur, Instandhaltung
  • zulässige Lasten, Stand- und Ladungssicherheit
  • Transport und Lagertechnik
  • Lagerwirtschaft
  • Sondereinsätze
  • Antriebsarten und Anbaugeräte
  • mögliche Risikenrechtliche Grundlagen

Der Erwerb des Staplerscheins ist für Fachlageristen/innen, Fachkräfte für Lagerlogistik, Kommissionierer/innen oder Lkw-Fahrer/innen eine gute Möglichkeit, ihren beruflichen Horizont zu erweitern.

Achtung: Mit dem Staplerschein darf man nur auf dem Betriebsgelände Stapler fahren, nicht aber im Straßenverkehr. Hierzu ist ein Führerschein der Klasse L oder T notwendig. Der Stapler muss den Anforderungen für den Straßenverkehr entsprechen (z. B. Spiegel, Blinker). Der Staplerschein ist lebenslang gültig und gilt in ganz Deutschland. Wer im Ausland als Gabelstaplerfahrer arbeiten möchte, muss sich über dortige Bestimmungen informieren.

Arbeitsbedingungen

Staplerfahrer/innen arbeiten vor allem in Lager- und Fabrikhallen, Kühl- und Tiefkühlhäusern, Ladehöfen oder Lagerplätzen im Freien. Das Umfeld ist geprägt durch die Arbeit mit technischen Geräten, wie zum Beispiel Stapler, Förder- und Ladegeräte. Zusätzlich fallen manuelle Tätigkeiten wie das Warten und Reinigen des Staplers an. Man trägt meist Schutzkleidung inkl. Gehörschutz, Handschuhe und Sicherheitsschuhe. Die Bedingungen der Umgebung können unterschiedlich sein. Wechselnde Temperaturen, klimatische Bedingungen wie Nässe, Zugluft, starker Lärm, Staub oder hohes Verkehrsaufkommen sind möglich. Die Arbeitszeiten sind je nach Betrieb unregelmäßig. Überstunden im Saisongeschäft sowie Arbeiten an Feiertagen, am Wochenende und in der Nacht sind nicht untypisch.   

Wo arbeitet man als Gabelstaplerfahrer/in?

Gabelstapler/innen arbeiten dort, wo Lagereinheiten vorhanden sind, wo Lasten bewegt werden müssen. Klassischerweise ist das in der Logistik, in Speditionen, im Handel und in der Industrie. Man findet Staplerfahrer heute auch in anderen Branchen, z. B. in der Landwirtschaft, im Landschaftsbau, in der Produktion und in nahezu jedem Unternehmen, das etwas herstellt oder verkauft.

Welche Fähigkeiten muss man mitbringen?

Wer als Gabelstaplerfahrer/in arbeiten möchte, sollte vor allem eine große Portion Verantwortungsbewusstsein mitbringen. Als innerbetrieblicher Verkehrsteilnehmer kann unvorsichtiges Verhalten folgenschwer sein. Folgende weitere Skills sind hilfreich:  

  • Verständnis für technische und physikalische Zusammenhänge
  • Die Fähigkeit, Signale zu erlernen, umzusetzen und anzuwenden
  • Grund Know-how für betriebliche Prozesse und IT
  • Zuverlässigkeit
  • Verantwortungsbewusstsein
  • Umsichtigkeit
  • Sorgfalt
  • Stressresistenz
  • Erste Erfahrungen im Lager
  • Schwindelfreiheit
  • Flexibilität bezüglich Arbeitszeiten und Schichtdienst

Welche Zukunftsaussichten haben Gabelstaplerfahrer/innen?

Erfahrene und routinierte Gabelstapler/innen haben bundesweit gute Jobaussichten. Mit dem Aufschwung in der Logistikbranche wächst der Bedarf an Mitarbeitern. Überall dort, wo Waren und Güter umgeschlagen werden, gelagert und produziert werden, sind auch Stapler und Flurförderzeuge im Einsatz und müssen bedient werden.

Auch International werden Gabelstapler/innen gesucht. Im Ausland gelten jedoch häufig andere Bedingungen und Voraussetzungen für das Bedienen der Flurförderzeuge. Der deutsche Staplerschein ist im Ausland normalerweise nicht ausreichend. In anderen Ländern muss man Eignung und Qualifikation erneut nachweisen. 

Grundsätzlich ersetzt die Digitalisierung den Beruf vorerst nicht, verändert ihn aber. Wie viele andere Jobs auch, profitiert auch der des Gabelstaplers von der fortschreitenden Entwicklung. Wer sich schnell in technische Zusammenhänge eindenken kann und eine grundsätzliche Affinität zu Technik und IT mitbringt, hat gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

In Online-Stellenbörsen finden Staplerfahrer vielfältige Jobangebote. Die Anstellung in großen Konzernen bieten Vorteile wie Sozialleistungen oder übertarifliche Bezahlung sowie langfristige Perspektiven. Gerade ohne Schulabschluss kann die Anstellung über eine Zeitarbeitsfirma einen guten Einstieg bieten.

Welche Karrieremöglichkeiten gibt es?

Da es sich bei dem Staplerfahrer nicht um einen eigenständigen Lehrberuf, sondern eine Zusatzqualifikation handelt, bieten sich eine Vielzahl von beruflichen Aufstiegsmöglichkeiten. Es gibt inzwischen offizielle Lehrberufe im Bereich Logistik, wie zum Beispiel die Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik, die einen beruflichen Ein- und Aufstieg ermöglicht. Auf Basis dieser Ausbildung kann man eine Weiterbildung zum Logistikmeister absolvieren.

Kleiner Gehaltsreport für Gabelstaplerfahrer/innen

Die Einkommensmöglichkeiten von Staplerfahrern/innen hängen von verschiedenen Faktoren ab, darunter Branche, Betriebsgröße, Bundesland, Tarifvertrag, Erfahrung, weitere Qualifikationen des Staplerfahrers sowie Verantwortungsbereich und Aufgabenfeld. Auf verschiedenen Lohn- und Gehaltsvergleichsportalen finden sich Angaben im Bereich von etwa 1.600 bis 2.400 Euro pro Monat auf Basis einer 38-Stunden-Woche. Je nach Arbeitgeber können auch deutlich höhere Löhne für Staplerfahrer bezahlt werden, besonders dann, wenn über das Staplerfahren hinaus weitere Tätigkeiten in den Verantwortungsbereich des Staplerfahrers fallen. Unternehmen zahlen manchmal Zulagen für Schicht-, Nacht- oder Wochenendarbeit. Das variiert von Unternehmen zu Unternehmen.


Quelle: BirdieMatch hat sich auf Online-Job-Matching - nach dem Vorbild von Partnerbörsen - für Logistiker spezialisiert. Die Vision des im Oktober 2015 gegründeten Hamburger Unternehmens ist einfach: Logistiker sollen erfolgreich ihren Traumjob finden und Unternehmen ihre Logistik-Stellen mit passenden Kandidaten besetzen können. Ursprünglich mit dem Fokus auf kaufmännische Fach- und Führungskräfte gestartet, vermittelt BirdieMatch nun auch Jobs für Lagermitarbeiter/innen und Berufskraftfahrer/innen.  

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Andreas Scheuer

Schirmherr der Nachwuchsinitiative "Hallo, Zukunft!" ist Andreas Scheuer MdB
Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur. 

Die Nachwuchsarbeit liegt ihm besonders am Herzen: "Die Logistik hält Deutschland am Laufen. Waren es früher in erster Linie Unternehmen, die auf Logistik angewiesen waren, so sind es heute zunehmend auch ganz normale Verbraucher. So ziemlich jeder bestellt mittlerweile Waren im Internet und freut sich, wenn sie ihm in kürzester Zeit nach Hause geliefert werden. Logistik erleichtert Menschen das Leben – und ist damit eine echte Zukunftsbranche! Ich freue mich sehr, dass die Ausbildungsinitiative „Hallo, Zukunft“ dabei hilft, Schülerinnen und Schüler für diese Zukunftsjobs zu begeistern."