16.07.2021 | Arbeitsmarkt-Report

KEP-Branche bietet beste Berufschancen

Die Personalsituation in der KEP-Branche hat sich durch Corona weiter verschärft, daher haben auch Quereinsteiger und Jobsuchende ohne Ausbildung weiterhin beste Chancen. Laut Dekra-Arbeitsmarkt-Report hat sich bei den Zusatzleistungen etwas bewegt.

KEP-Fahrer, Paketzusteller
Mehr Onlinehandel bedeutet mehr Pakete: Zustellkräfte in der KEP-Branche werden dringend gesucht © Drazen/AdobeStock

Die Dekra hat für ihren Arbeitsmarkt-Report 350 Stellenangebote für Zustellkräfte in der KEP-Branche (Kurier-, Express- und Paketdienstleister) analysiert. Im Fokus standen dabei die Aufgaben, die Jobsuchende am neuen Arbeitsplatz erwarten und welche Kompetenzen und Fähigkeiten Arbeitgeber von KEP-Fahrerinnen und -Fahrern erwarten.

Reibungslose Prozesse haben Priorität

An ihrer zukünftigen Arbeitsstelle transportieren die gesuchten Mitarbeitenden demnach am häufigsten Briefsendungen (38,6 %) sowie Zeitungen und Prospekte (27,7 %). In jeder vierten Jobbeschreibung werden explizit Pakete als Transportgut erwähnt. Neben der eigentlichen Zustelltätigkeit erwähnen etwa sechs von zehn Arbeitgebern Aufgaben bzw. praktische Erfahrungen, die sie von Bewerbenden erwarten (57,4 %). Bei Mitarbeitenden achten sie insbesondere darauf, dass sie Fahrzeuge umsichtig beladen und die Waren sicher im Transportfahrzeug verstauen. Dementsprechend finden sich Kenntnisse in der Ladungssicherung weiterhin an erster Stelle der gewünschten praktischen Erfahrungen. Im Vergleich zu 2017 haben sie noch an Bedeutung gewonnen. Kein Wunder: Defekte Waren verursachen Kosten und verärgern Kunden, die auf ihre Bestellung warten. Im hart umkämpften Markt können sich KEP-Dienstleister keine Imageverluste oder Unzuverlässigkeit leisten.

Das Sortieren von Sendungen wird in den Stellenbeschreibungen zwar nicht mehr ganz so oft erwähnt, dürfte aber weiterhin ein wichtiger Teil des Arbeitsalltages sein. Denn je sorgfältiger die Beschäftigten Paket- und Briefsendungen sortieren, desto reibungsloser verläuft der eng getaktete Zustellprozess. Vergleichsweise selten wird Know-how im Umgang mit PC oder Scannern erwähnt. Vermutlich sind die Geräte mittlerweile oft intuitiv bedienbar und wer ein Smartphone nutzt, ist dazu auch bei einem Handscanner in der Lage. Viele KEP-Dienstleister haben auf eine kontaktlose Übergabe umgestellt, um das Infektionsrisiko zu minimieren. Dementsprechend nimmt die Dokumentation nun größeren Raum ein als vor vier Jahren.

Geringe Einstiegshürden

Die Fahrerlaubnis ist eine Grundvoraussetzung für den Beruf. Jeder zweite Arbeitgeber erwähnt explizit, dass Bewerbende einen Führerschein der Klasse B benötigen. Immerhin 21 der gesuchten Fahrerinnen und Fahrer müssen zudem in der Lage sein, einen Lkw zu lenken.

Was formelle Berufsabschlüsse und Zertifikate betrifft, sind die Dienstleister großzügig: Nur für jede vierte Position verlangen sie überhaupt entsprechende Nachweise. Jobsuchende benötigen am häufigsten ein makelloses Führungszeugnis, um sich auf eine der ausgeschriebenen Stellen bewerben zu können (11,7 %). Zum Vergleich: Vor vier Jahren war ein solches für jede fünfte Position Voraussetzung (19,8 %). Der Wunsch nach einer Berufsausbildung findet sich nur selten in den Anforderungsprofilen: Hin und wieder sollen die gesuchten Zustellkräfte eine Berufskraftfahrer-Ausbildung (3,4 %) mitbringen oder es sind Kaufleute für Kurier-, Express- und Postdienstleistungen eingeladen, sich zu bewerben (2,9 %).

Personalabteilungen achten jedoch verstärkt auf die Sprachkenntnisse von Bewerbenden: In explizit drei von zehn Fällen müssen sie Deutsch in Wort und Schrift beherrschen (2017: 23,4 %). In anderen Fällen werden allgemein Deutschkenntnisse gewünscht (13,4 %). Damit reagieren Arbeitgeber offensichtlich auf die oft beklagte babylonische Sprachverwirrung an der Haustüre.

Soft-Skill-Klassiker bleiben wichtig

Zuverlässig, belastbar und motiviert – so kann man die Idealvorstellung der Persönlichkeit von Zustellkräften zusammenfassen. Diese Soft Skills finden sich, mit Ausnahme von Motivation, jedoch seltener in den Offerten als in der Vergangenheit. Interessant ist auch, wie sich teilweise die Gewichtung verändert hat: Körperliche Belastbarkeit steht zum Beispiel nicht mehr ganz so stark im Vordergrund. Vermutlich gehen Recruiting-Abteilungen davon aus, dass die Stressfaktoren des Berufes hinlänglich bekannt sind und möchten diesen Punkt nicht zusätzlich strapazieren und damit womöglich Interessierte von einer Bewerbung abhalten. Ein positives Erscheinungsbild, gute Umgangsformen sowie Dienstleistungsorientierung sind als Anforderung in den Jobangeboten ebenfalls nicht mehr ganz so oft zu finden. Dennoch ist davon auszugehen, dass Arbeitgeber bei ihren Mitarbeitenden weiterhin auf diese Merkmale achten. Eventuell werden sie heute eher unter dem Stichwort „Verantwortungsbewusstsein und Professionalität“ subsumiert – eine Eigenschaft, die um 9,7 Prozentpunkte zugelegt hat.

Womit Arbeitgeber locken

In der Pandemie wurden Paketboten oft als systemrelevant bezeichnet. Aber spiegelt sich dies auch in verbesserten Rahmenbedingungen wider? Es deutet manches darauf hin: Häufiger als in der Vergangenheit scheint es einen gewissen Verhandlungsspielraum in puncto Gehalt zu geben, wie die Aussage „Bezahlung nach Vereinbarung“ zeigt (2021: 17,1 % vs. 2017: 4,3 %). Außerdem machen sich eine Ausbildung oder einschlägige Berufspraxis auf dem Lohnzettel bemerkbar: Gut jeder zehnte Arbeitgeber honoriert berufsspezifische Fähigkeiten sowie besonderen Einsatz (2017: 4,7 %). Bei den Zusatzleistungen hat sich ebenfalls etwas getan, so bekommt zum Beispiel gut jeder fünfte Beschäftigte seine Arbeitskleidung gestellt (2017: 5,8 %). Auch Sonderzahlungen wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld sind nun verbreiteter. (ir)

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