05.06.2019 | Fahrermangel

„Leer gefegter Markt“

Mittlerweile fehlen Zehntausende Lkw-Fahrer. Die Konsequenzen könnten bald für alle spürbar sein, denn die Branche fürchtet Lieferengpässe.

Lkw-Fahrer
Begehrte Ressource: Lkw-Fahrer © Africa Studio/stock.adobe.com

Weil immer mehr Lkw-Fahrer fehlen, will die Logistikbranche den Beruf attraktiver machen und gezielt Frauen ansprechen. Einem Bericht der VerkehrsRundschau zufolge fehlen zwischen 45.000 und 60.000 Fahrer - Tendenz steigend. Das Fachmagazin beruft sich dabei auf Schätzungen des Bundesverbands Spedition und Logistik (DSLV) und des Bundesverband Güterverkehr Logistik und Entsorgung (BGL). Die Konsequenzen des Fahrermangels: „Wir sind kurz vor dem Versorgungskollaps”, fasst Dirk Engelhardt die Situation zusammen. Jedes Jahr gehen fast 30. 000 Fahrer in den Ruhestand, während nur etwa halb so viele Berufsanfänger nachfolgen. 

Die Weltbank schätzte in einer Studie von 2017 sogar, dass in den folgenden 10 bis 15 Jahren 40 Prozent aller deutschen Lastkraftfahrer in Rente gehen werden. Somit könnten in den 2030er Jahren 150.000 Fahrer fehlen. Schaut man sich die Altersverteilung der Lastkraftfahrer an, ist der Trend offensichtlich. Laut BGL ist fast ein Drittel von ihnen 55 Jahre oder älter, nur etwa 2,5 Prozent der Fahrer sind jünger als 25 Jahre. Und fast alle von ihnen sind Männer. Der Frauenanteil beläuft sich auf gerade mal 1,7 Prozent. 

Gleichzeitig nimmt die Zahl der Transporte zu. Unter anderem wegen des Booms im Online-Handel ist das Gütervolumen deutlich gestiegen. Dadurch könnten auch Fahrer aus Osteuropa die Lücke nicht mehr schließen, erklärte Engelhardt. Die Spediteure suchten händeringend nach Fahrern. Ein Vertreter der DHL spricht von einem „leer gefegten Markt”.

Unter dem Fahrermangel leiden nicht nur Speditionsunternehmen und jene Kraftfahrer, die den Mangel durch Mehrarbeit ausbügeln sollen.  „Es betrifft ja letztlich den Kunden, den Verbraucher, wenn die Produkte fehlen”, urteilte Bernd Ohlmann vom Handelsverband Bayern. Auch wenn keiner der angefragten Supermärkte dies bestätigen wollte, ist es Engelhardt zufolge schon zu leeren Supermarktregalen gekommen. 

Ein Grund des Fahrermangels, der in der Debatte immer wieder genannt wird, ist das Ende der Wehrpflicht im Sommer 2011. Sowohl Engelhardt als auch ein Sprecher der Rewe Group gehen davon aus, dass sich dies negativ auf die Zahl der Lastkraftfahrer ausgewirkt hat. Denn in der Bundeswehr können Soldaten, Beamte und Angestellte eine Kraftfahrausbildung absolvieren. 

Um so wichtiger, dass wieder mehr junge Menschen die Ausbildung zum Berufskraftfahrer antreten. Denn allen Unkenrufen zum Trotz, Stichwort: automatisiertes Fahren, werden Lkw-Fahrer noch viele Jahre lang gebraucht.

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Die Nachwuchsarbeit liegt ihm besonders am Herzen: "Die Logistik hält Deutschland am Laufen. Waren es früher in erster Linie Unternehmen, die auf Logistik angewiesen waren, so sind es heute zunehmend auch ganz normale Verbraucher. So ziemlich jeder bestellt mittlerweile Waren im Internet und freut sich, wenn sie ihm in kürzester Zeit nach Hause geliefert werden. Logistik erleichtert Menschen das Leben – und ist damit eine echte Zukunftsbranche! Ich freue mich sehr, dass die Ausbildungsinitiative „Hallo, Zukunft“ dabei hilft, Schülerinnen und Schüler für diese Zukunftsjobs zu begeistern."