31.07.2019 | Serie zu Logistikberufen

Speditionskaufmann/-frau im Berufs-Check

In Kooperation mit dem Job-Matching-Portal BirdieMatch nehmen wir die vielfältige Jobwelt in der Transport- und Logistikbranche unter die Lupe. In dieser Folge der Reihe: Speditionskaufmann/-frau.

Disponentin Speditionskauffrau
Vielfältiger Beruf: Kauffrau/-mann für Spedition und Logistikdienstleistung © stockphoto mania/AdobeStock.com

Sie sind das Rückgrat der Logistikbranche: Wenn irgendwo Waren von A nach B transportiert werden, haben Kaufleute für Spedition und Logistikdienstleistung die Fäden in der Hand. Sie nehmen Aufträge an, kalkulieren die Kosten, kümmern sich um die Formulare, organisieren die Warenlagerung und planen die Route sowie die Art des Transports. Ob auf Straße oder Schiene, auf dem Wasser oder in der Luft: sie sind ständig nah dran am Herzschlag des Warenumschlages. 

Der Kaufmann bzw. die Kauffrau für Spedition und Logistikdienstleistung ist ein vom deutschen Bundesministerium für Wirtschaft und Energie anerkannter Ausbildungsberuf. Den kürzeren Titel „Speditionskaufmann“ bzw. „Speditionskauffrau“ gibt es heute nicht mehr. Bereits 2004 erfolgte die offizielle Umbenennung. Die aktuelle Berufsbezeichnung hat sich jedoch bis heute nicht im alltäglichen Sprachgebrauch festgesetzt; stattdessen wird der Begriff Speditionskaufmann/-frau häufig verwendet. Das ist vielleicht der Kürze und „Griffigkeit“ geschuldet, weswegen auch wir in diesem Artikel häufiger darauf zurückgreifen werden; allerdings ist der vollständige Titel wesentlich präziser.

1. Was macht ein/e Kaufmann /-frau für Spedition und Logistikdienstleistung?

Kaufleute für Spedition und Logistikdienstleistung überwachen das Zusammenwirken der kompletten Logistikkette. Sie koordinieren sämtliche Prozesse wie Versand, Warenumschlag und Lagerung und erarbeiten die effizienteste Lösung. Transporter, Lkw, Schiffe, Bahn oder Flugzeug? Speditionskaufleute beraten den Kunden, über welche Route und mit welchem Vehikel die Ware am besten bewegt wird. Dabei müssen sie die geltenden Ein- und Ausfuhrvorschriften kennen und beachten. Die Kundenberatung und -betreuung gehört zu ihrem Alltag. Wie läuft der Transport ab? Wie wird die Ware verpackt, sodass sie unbeschadet vor Ort ankommt? Speditionskaufleute liefern den Kunden Antworten zu allen relevanten Fragen, mit dem Ziel, von ihm beauftragt zu werden. Sie kalkulieren Preise, arbeiten Angebote aus, bereiten Verträge vor und kümmern sich um den Versicherungsschutz während des Transports. Geschäftsprozessorientierung und besondere Projekte wie zum Beispiel Gefahrguttransporte gehören genauso zu ihrem Aufgabengebiet wie die Beauftragung der Transportunternehmen und die Ausfertigung der Warenbegleit-, Fracht- und Zollpapiere. Sie überwachen die komplette Abwicklung des Auftrags und bearbeiten Reklamationen, nehmen Schadensmeldungen auf und kümmern sich um die Regulierung von Schäden. Ist ein Auftrag abgewickelt, stellen sie die Abrechnung der erbrachten Leistungen. Hier im Überblick die Hauptaufgabengebiete:

  • Disposition und Organisation: Planung eines reibungslosen Ablaufs von Wareneingang und Warenausgang. Veranlassung der Abholung und Auslieferung der Güter, Überwachung der Transporte, Tourenplanung, Fahrereinteilung
  • Beratung: Umfassende Kundenberatung zu Zeitplanung, Wahl der Transportart, Zwischenlagerung, Reklamationen, Zoll, Gefahrgutvorschriften
  • Preiskalkulation und Angebotserstellung: Angebotserstellung inkl. Preiskalkulation unter Berücksichtigung von div. Nebenkosten, wie Reederei, Zwischenlager und Versicherungen
  • Organisation/Abwicklung von Aufträgen, Transport: Beantragung, Erstellung, Prüfung von Transportdokumente wie Frachtbriefe, behördliche Genehmigungen, Lade- und Verladelisten sowie Stücklisten; Beobachtung des Transportablaufs; schnelle Lösungsfindung bei unvorhergesehen Ereignissen wie Unwetter, Straßensperrungen.
  • Frachtabwicklung: Überwachung der Verladung, Abgleich der Frachtquittungen und Rechnungen, Dokumentation von eventuellen Schäden
  • Rechnungserstellung und -prüfung: Leistungsprüfung und Ausstellung der Rechnung. Wenn der Kunde nicht bezahlt, müssen die Kaufleute Mahnungen verschicken bzw. rechtliche Schritte einleiten. 

Das Arbeitsumfeld ist meist ein Büro, z.B. bei einer Spedition. Als Speditionskaufmann gibt es auch ab und zu in Lagerhallen oder im Freien etwas zu tun, um Frachtkontrollen durchzuführen. Häufig arbeitet man im Schichtdienst. Dienstreisen kommen nur in Ausnahmefällen vor.

2.  Ausbildung und Abschluss

Die Ausbildung gliedert sich in einen betrieblichen und einen schulischen Teil. In der Berufsschule sind die Auszubildenden zweimal pro Woche oder blockweise. Neben der Praxis im Betrieb bieten die Unternehmen oft zusätzliche Vertiefungsseminare. Während der Ausbildung führen die angehenden Kaufleute ein Berichtsheft über die Aufgaben und Tätigkeiten. Dieses dient als Ausbildungsnachweis und wird von dem Ausbilder regelmäßig kontrolliert. Die Ausbildungsdauer liegt bei drei Jahren, bei guten Leistungen kann man verkürzen. In der Mitte des 2. Ausbildungsjahres findet eine schriftliche Zwischenprüfung statt. Am Ende der Ausbildung folgt die Abschlussprüfung, durchgeführt von der IHK. Mit Bestehen der Prüfung nennt man sich staatlich anerkannter Kaufmann für Spedition und Logistikdienstleistung.

Inhalte der Ausbildung zum Speditionskaufmann

2.1. In der Berufsschule

In der Berufsschule besuchen die angehenden Kaufleute allgemeinbildende Fächer wie Deutsch, Wirtschaft und Sozialkunde. Spezifische Inhalte werden in folgenden Fächern vermittelt:

  • EDV: Rechnungen, Protokolle und Zahlungsaufträge müssen im Arbeitsalltag regelmäßig erstellt werden. In der Berufsschule wird man mit den Programmen vertraut gemacht und lernt im Rahmen von Übungsaufträgen, diese Schritte selbstständig umzusetzen.
  • Verkehrsträger: LKW, Lieferwagen, Binnenschiffe, Zugwaggons: welche Verkehrsmittel werden in Verkehrsträgern wie dem Güterkraftverkehr, dem Schienenverkehr und der Binnenschifffahrt verwendet? Was sind die Vor- und Nachteile und was gibt es bei der Planung zu beachten?
  • Import und Export: Welche Unterschiede gibt es zwischen Import und Export? Wie werden Aufträge durchgeführt?

Theoriebegleitend erfolgt eine Einweisung in die gängige Computer-Software.

2.2. Im Betrieb

Im 1. und 2. Ausbildungsjahr beschäftigt man sich mit folgenden Themen und Fragestellungen:  

  • Arbeitsorganisation, Information und Kommunikation: Wie arbeite ich mit den Betriebssystemen? Wie kommuniziere ich mit Kunden und Kollegen? Wie führe ich Arbeitsprozesse auf Englisch und anderen Fremdsprachen durch?
  • Prozessorientierte Leistungserstellung: Wie werden Angebote für Kunden erstellt? Wie funktioniert der Umschlag von Waren beim Versand mit unterschiedlichen Transportmitteln?
  • Verträge, Haftung und Versicherungen: Was ist zu tun, wenn Ware beim Transport beschädigt worden ist? Wie setzt man Verträge auf? An welche Versicherungen muss man denken?
  • Marketing: Wie akquiriert man neue Kunden? Wie erlangt das Unternehmen eine positive Außenwahrnehmung? Wie plant man Kampagnen? Welche Kommunikationskanäle sind geeignet?
  • Gefahrgut, Schutz und Sicherheit: Was gibt es für Risiken? Welche Sicherheitsvorschriften muss man beachten?

Im 3. Ausbildungsjahr stehen die Vertiefung der Ausbildungsinhalte sowie die Vorbereitung auf die Abschlussprüfung im Fokus.

3. Welche Fähigkeiten muss man mitbringen?

Formale Zugangsvoraussetzungen gibt es nicht, wobei Jobanwärter mit einem Realschulabschluss oder Abitur bevorzugt eingestellt werden. Noten allein sind nicht entscheidend. Folgende Skills sind wichtig, wenn Sie als Speditionskaufmann/-frau ausgebildet werden möchten:

  • Organisationstalent: Organisation ist in diesem Beruf das A und O. Speditionskaufleute sorgen dafür, dass Transporte und Lagerhaltung reibungslos funktionieren.
  • Kommunikationsstärke: Als Ansprechpartner für den Kunden rund um den gesamten Güterfluss müssen sie immer hilfsbereit und freundlich sein, auch wenn die Stresskurve nach oben ausschlägt.
  • Englischkenntnisse: Logistik ist ein internationales Business. Kommunikation und Korrespondenz finden häufig auf Englisch statt. Sichere Sprachkenntnisse sind unerlässlich. Je mehrsprachiger die Anwärter, desto attraktiver.
  • Technikverständnis: Einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren der Branche ist die digitale Transformation. Wer mitmischen möchte, muss ein technisches Grundverständnis und ein Interesse an neuen Technologien haben.
  • Analytische, mathematische Fähigkeiten: Für den Kunden gilt es die effizienteste Lösung zu finden. Sachverhalte müssen genau analysiert und sämtliche Kosten berücksichtigt werden.
  • Teamfähigkeit: Speditionskaufleute sind keine Einzelkämpfer. Sie arbeiten im Team, häufig auch interdisziplinär mit Menschen aus anderen Bereichen.
  • Sorgfalt: Gründliches Arbeiten ist wichtig, weil der Kaufmann für Spedition und Logistikdienstleistung die Verantwortung für die Anfertigung sämtlicher Dokumente trägt, wie zum Beispiel Transportdokumente, Zollerklärungen etc.

4. Der Logistik-Bachelor: das ausbildungsintegrierte Studium

Neben der dualen Ausbildung existiert auch das duale Studium. Die Ausbildung zum Kaufmann oder zur Kauffrau für Spedition und Logistikdienstleistung wird hier in ein Bachelorstudium integriert. Einhergehend mit der Ausbildungsordnung lernt man in den Praxisphasen bestimmte Bereiche des Unternehmens kennen und muss am Ende ebenfalls eine Prüfung (IHK) ablegen. Mit dem Ende des dualen Logistik-Studiums, meist nach 4 Jahren, erlangen die Kandidaten parallel zwei Abschlüsse: den Ausbildungsabschluss sowie den Bachelor in Betriebswirtschaft. Die Ausbildung umfasst die betriebliche Ausbildung, den Besuch der Beruflichen Schule für Spedition, Logistik und Verkehr und ein Bachelorstudium der Betriebswissenschaft mit dem Studienschwerpunkt Unternehmenslogistik an einer Fern-Hochschule. Voraussetzung für das duale Studium ist die Hochschulreife.


5. Kleiner Gehaltsreport für Speditions-Azubis

Beispielhafte Ausbildungsvergütungen pro Monat (je nach Bundesland unterschiedlich)

Ausbildungsjahr: 480 bis 935 Euro
Ausbildungsjahr: 570 bis 985 Euro
Ausbildungsjahr: 640 bis 1.025 Euro
(Quelle: Agentur für Arbeit)

Im Anschluss an die erfolgreich abgelegte Ausbildung liegt das Einstiegsgehalt je nach Bundesland und Unternehmensgröße durchschnittlich zwischen 1.700 und 2.200 Euro. In Leitungsfunktionen ist es üblich, Gehälter über 8.000 Euro monatlich zu zahlen. Weiterbildungen als Investition in die eigene Karriere lohnen sich also. Nach dem Gehaltsreport von BirdieMatch liegen die Jahresgehälter bei den Speditionskaufleuten zwischen 20.000 und 80.000,- Euro. Der größte Teil (86%) der Befragten verdient knapp über 37.000 Euro.

Generell zahlen Großunternehmen den Speditionskaufleuten meist höhere Gehälter als kleine Mittelständler und wie in allen Branchen steigt auch in der Logistik mit zunehmender Berufserfahrung die Entlohnung. Mit Fortbildungen, wie beispielsweise die zum Fach- oder Betriebswirt, stehen die Türen zu leitenden Positionen offen, die in der Regel deutlich höher vergütet werden. Während Speditionskaufleute ein Durchschnittsgehalt von rund 2300 Euro brutto verdienen, haben zum Vergleich Fachkaufleute für Einkauf und Logistik einen Durchschnittslohn von 2900 Euro. Logistiker, die einen Hochschulabschluss haben, können sogar mit Einstiegsgehältern von 4200 Euro brutto rechnen.

6. Wo findet man einen Ausbildungsplatz?

Neben den klassischen Speditionen und Logistikdienstleistern bilden in Deutschland Umschlags- und Lagerwirtschaftsunternehmen, Kurier-, Express- und Paketdienste, Schifffahrtsunternehmen, Frachtfluggesellschaften und Logistikabteilungen in Industrie- und Handelsunternehmen Kaufmänner/ -frauen für Spedition und Logistikdienstleistung aus. Wer aufmerksam Jobbörsen studiert, wird über zahlreiche Azubi-Gesuche folgen. Da die Art des Unternehmens thematisch stark variieren kann, ist es ratsam, zu wissen, welche Art von Logistik für einen selbst interessant ist. Häufig findet man auf der Karriereseite des Unternehmens selbst entsprechende Stellenanzeigen. Der Vorteil: Hier schnuppert man, wenn auch digital, gleich schon ein bisschen Unternehmensluft. Das ist wichtig, denn nicht jedes Unternehmen passt zu jedem Kandidaten. Auch BirdieMatch wird sich in diesem Jahr dem Thema Ausbildungsplätze annehmen.

7. Berufliche Perspektiven

Grundsätzlich sind die Zukunftsaussichten in dem Bereich sehr gut. Die Logistik-Branche in Deutschland wächst nach wie vor rasant. Gute Absolventen sind begehrt wie lange nicht. Im Kampf um die Talente buhlen die Firmen aktuell um Bewerber. Neben dem direkten Berufseinstieg hat man mit dem Abschluss zahlreiche Möglichkeiten, sich fortzubilden und die Karriereleiter nach oben zu klettern. Zum Beispiel durch eine Weiterbildung zum Fachwirt für Güterverkehr und Logistik oder zum Betriebswirt für Verkehr. Auch ein anschließendes Studium in den Bereichen Logistik, Supply Chain Management oder BWL ist eine sinnvolle Wegbereitung für die zukünftige Karriere. 


Quelle: BirdieMatch hat sich auf Online-Job-Matching - nach dem Vorbild von Partnerbörsen - für Logistiker spezialisiert. Die Vision des im Oktober 2015 gegründeten Hamburger Unternehmens ist einfach: Logistiker sollen erfolgreich ihren Traumjob finden und Unternehmen ihre Logistik-Stellen mit passenden Kandidaten besetzen können. Ursprünglich mit dem Fokus auf kaufmännische Fach- und Führungskräfte gestartet, vermittelt BirdieMatch nun auch Jobs für Lagermitarbeiter/innen und Berufskraftfahrer/innen. 

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Andreas Scheuer

Schirmherr der Nachwuchsinitiative "Hallo, Zukunft!" ist Andreas Scheuer MdB
Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur. 

Die Nachwuchsarbeit liegt ihm besonders am Herzen: "Die Logistik hält Deutschland am Laufen. Waren es früher in erster Linie Unternehmen, die auf Logistik angewiesen waren, so sind es heute zunehmend auch ganz normale Verbraucher. So ziemlich jeder bestellt mittlerweile Waren im Internet und freut sich, wenn sie ihm in kürzester Zeit nach Hause geliefert werden. Logistik erleichtert Menschen das Leben – und ist damit eine echte Zukunftsbranche! Ich freue mich sehr, dass die Ausbildungsinitiative „Hallo, Zukunft“ dabei hilft, Schülerinnen und Schüler für diese Zukunftsjobs zu begeistern."