11.09.2019 | Serie zu Logistikberufen

Disponent im Berufs-Check

In Kooperation mit dem Job-Matching-Portal BirdieMatch nehmen wir die vielfältigen Jobwelt in der Transport- und Logistikbranche unter die Lupe. Dieses Mal im Beruf-Check: der Disponent.

Disposition, Disponent
Disponenten sind die Strippenzieher der Logistik © Busara/AdobeStock.com

Tausende Lkw, Schiffe und Flugzeuge sind täglich unterwegs und transportieren Güter von A nach B. Damit hier alles nach Plan abläuft, braucht es einen Strippenzieher. Die Berufsbezeichnung Disponent ist nicht auf einen Arbeitsbereich festgelegt. Es gibt sie bei Personaldienstleistern, im Theater, in der Produktion. Die meisten Disponenten sind in der Logistik tätig. Hier spricht man auch von Disponenten im Güterverkehr, Material- oder Lagerdisponenten. Wir haben uns die „Zuteilungs“-Experten in der Logistik einmal genau angeschaut.

1. Was macht ein Disponent?

Der Disponent beziehungsweise die Disponentin beschäftigt sich damit, Ressourcen, Materialien und Waren zu beschaffen, zu lagern und zu transportieren. Es geht im Wesentlichen um die Koordination und Organisation der Geschäftsabläufe. Sie planen die Verteilung der Güter, die optimale Fahrzeugauslastung, die Routen, den Einsatz von Personal und anderen Ressourcen. Als Mitarbeiter im Nah- und Fernverkehr, bei Logistikunternehmen sowie bei privaten und öffentlichen Zustellern können Disponenten ihr Koordinationsgeschick bestmöglich einsetzen. Ohne Disponenten stünde der Transport-Verkehr still. Die ausgebildeten Experten sorgen dafür, dass auf Deutschlands Straßen und Schienen alles rund läuft. Ihr Hauptaugenmerk ist darauf gerichtet, dass der Frachtraum von Transportmitteln maximal effizient und wirtschaftlich genutzt wird. Das erreichen sie, indem sie Ladungen so zusammenstellen, dass sie auf kürzestem und schnellstem Weg zum Empfänger transportiert werden. 

Zu den Aufgaben von Disponenten zählen außerdem folgende Punkte:

  • Erstellung von Dienstplänen
  • Entscheidung über die Art des Transports (zum Beispiel LKW oder Schienenverkehr)
  • Einsatzplanung der Fahrzeuge
  • Planung anstehender Wartungsarbeiten der Fahrzeuge
  • Kontrolle von Lieferterminen und Lieferpapieren
  • Abstimmung von Terminen mit Kunden und Lieferanten
  • Annahme von Transportaufträgen
  • Erstellung von Angeboten für den Transport von Gütern
  • Bearbeitung von Reklamationen
  • Kontrolle von Fahrtenschreibern oder -büchern
  • Kontrolle von Bordcomputern
  • Dokumentation einzelner Schritte im IT-System

1.1 Disponent/-in im Güterverkehr

Arbeitet man als Disponentin oder Disponent im Güterverkehr, muss man dafür Sorge tragen, dass der Transport von Frachtgütern reibungslos abläuft. Man teilt sowohl das Personal ein, koordiniert die Einsätze und organisiert die Fahrzeuge, die für den Transport nötig sind. Disponenten sind für die Verteilung der Güter und die Planung der Routen zuständig. Dazu gehört zum Beispiel auch, für einen Großtransport bestimmte Schienenstrecken zu sperren oder auch Straßen polizeilich absichern zu lassen. Sie stimmen die Liefertermine mit den Lieferpapieren ab, nehmen Aufträge entgegen und prüfen die Fahrt- und Kontrollbücher.

1.2 Disponent/-in im Lager

Ist man als Disponentin oder Disponent im Lager tätig, sorgt man für die bedarfsgerechte Beschaffung von Materialien im Warenlager. Das beinhaltet, wie auch im Güterverkehr, die Abstimmung und Kontrolle der Liefertermine und -papiere. Die Disponenten müssen dafür Sorge tragen, dass die Sicherheitsbestände eingehalten werden. Außerdem ist man für die Kontrolle und Dokumentation von Lagerabgängen bzw. Zugängen verantwortlich. Im Lager erstellen sie Statistiken und führen Inventuren durch. Sie erhalten so einen Überblick über Lieferanten, Ware und Liefertermine. Auch der Disponent im Lager nimmt Bestellungen und Aufträge von Kunden entgegen.

1.3 Disponent/-in in der Materialwirtschaft

In der Materialwirtschaft gestalten sich die Tätigkeiten der Disponenten etwas anders. Sie stellen sicher, dass für Produktionsprozesse immer die benötigten Ressourcen oder Waren in ausreichender Menge zur Verfügung stehen. Preise werden kalkuliert, Lieferzeiten berechnet und Ressourcen oder Waren angefordert. Darüber hinaus gehören zu den Aufgaben auch die Planung des Transports sowie die Einteilung der Fahrzeuge und Mitarbeiter.

2. Wie wird man Disponent/-in?

Die Berufsbezeichnung Disponent ist nicht geschützt, also kein schulischer Ausbildungsberuf. Der Weg in den Beruf führt in der Regel über eine abgeschlossene kaufmännische Ausbildung mit Logistik-Schwerpunkt oder ein Hochschulstudium, jeweils in Kombination mit einer Weiterbildung in dem dispositorischen Bereich, auf den man sich spezialisieren möchte.

2.1 Ausbildung mit Logistik-Schwerpunkt

In Verbindung mit einer anschließenden Weiterbildung bieten folgende Ausbildungsberufe die Möglichkeit, später als Disponent zu arbeiten:

Wichtig ist in jedem Fall der Fokus auf Verkehr und Logistik. Innerhalb der drei Lehrjahre beschäftigt man sich mit Disposition, Lagerverwaltung und -organisation, Materialwirtschaft, Lagerwirtschaft und Bestandskontrolle. Der Disponent im Güterverkehr sollte innerhalb der Ausbildung zusätzlich sowohl Tourenplanung und Transportlogistik als auch Ladungssicherung und Frachtprüfung verinnerlichen.

2.2 Studium

Wer ein betriebswirtschaftliches Studium mit Schwerpunkt auf Organisation und Controlling durchläuft, schafft sich ein gutes Fundament für die Karriere als Disponent/-in. Auch das Studium sollte einen Schwerpunkt auf Logistik und Verkehr haben.

Die verschiedenen Studiengänge kann man an privaten und staatlichen Universitäten im Präsenz- oder im Fernstudium absolvieren. Sie richten sich an Personen mit oder ohne berufliche Vorkenntnisse. Universitäten und Fachhochschulen bieten seit einigen Jahren verstärkt Bachelor- und Master-Studiengänge in den Bereichen Logistik, Logistikmanagement und Supply Chain Management an. Alle drei Richtungen können zum Beruf des Disponenten führen. Die Studiengänge dauern sehr viel länger, können dafür aber meist im berufsbegleitenden Teilzeitstudium absolviert werden. Ein Bachelor-Studium in Vollzeit umfasst 6-8 Semester Regelstudienzeit, in Teilzeit entsprechend länger. Für ein Master-Studium braucht man 2 bis 4 Semester.

2.3 Weiterbildung

Wer als Disponent/in arbeiten möchte, muss nach dem Studium oder der Ausbildung eine Weiterbildung entsprechend der zukünftigen Tätigkeit machen. Je nach Lehrgang kann die Qualifizierung in Voll- oder Teilzeit stattfinden, nur ein paar Tage dauern oder ein paar Monate bzw. Jahre.

Als Anbieter kommen unterschiedlichste Organisationen in Betracht. Gemeinnützige Institutionen sind hier ebenso wie private Schulen und sogar Fernkurs-Anbieter zu finden. Einen allgemein anerkannten Abschluss als Disponent/in kann man allerdings nicht erlangen. Umso wichtiger ist es daher, bei der Auswahl der Weiterbildung auf einen renommierten Anbieter mit hohem Bekanntheitsgrad und die richtigen inhaltlichen Schwerpunkte zu setzen. Die Weiterbildung findet in dem Bereich statt, auf den man sich als Disponent spezialisieren möchte. Je nach Arbeitsumfeld und angestrebtem Arbeitsgebiet gibt es unterschiedliche Ausbildungsangebote in folgenden Bereichen:

  • Gefahrengut
  • Sozialrecht
  • Fuhrparkmanagement
  • Schwerlastverkehr
  • Lagermanagement

Die inhaltliche Ausgestaltung der Angebote variiert nach gewähltem Schwerpunkt mit folgenden Ausrichtungen:

  • Softwareanwendungen für Planung und Dokumentation im Transportwesen
  • Allgemeine Grundlagen der Logistik
  • Rechtliche Grundlagen für das Transportgewerbe
  • Straßenverkehrsordnung
  • EU-Recht
  • Verantwortlichkeiten und Mithaftung
  • Sozialvorschriften
  • Digitale Kontrollgeräte
  • Verantwortlichkeiten der Verkehrsunternehmen
  • Haftung von Verkehrsunternehmen
  • Auswertung und Archivierung
  • Berufskraftfahrerqualifikationsrecht
  • Disposition von Ressourcen
  • Buß- und Verwarngeldkataloge
  • Kundenreklamationen
  • Umgang mit Stress
  • Kosten und kaufmännische Grundlagen
  • Schadensmanagement
  • Routen- und Tourenplanung (Telematik)
  • Fachbezogenes Englisch

3. Welche Fähigkeiten muss man mitbringen?

Der perfekt absolvierte Studiengang, die Ausbildung mit guten Noten und ausgezeichnete Zertifikate allein machen längst noch nicht unbedingt einen guten Disponenten aus. Die persönliche Eignung ist mindestens genauso wichtig. Der Beruf des Disponenten ist extrem kommunikativ. Wer seinen Arbeitstag am liebsten ungestört mit viel Ruhe verbringt, wird als Disponent nicht glücklich. Telefonate, Meetings und Verhandlungen gehören zum Job. Als Disponent trägt man viel Verantwortung und muss dieser auch gewachsen sein. Nicht nur ein kommunikatives Wesen, auch eine selbständige Arbeitsweise und Organisationsgeschick sollten vorhanden sein. Folgende zusätzliche Soft Skills sind ebenfalls gute Voraussetzungen:

  • Controlling- und Kalkulationsstärken
  • Analytische Fähigkeiten
  • Technisches Verständnis
  • Praktische Erfahrungen (Praktika)
  • Belastbarkeit
  • Zuverlässigkeit
  • Die Fähigkeit, auf Menschen einzugehen
  • unternehmerisches Denken

4. Der Berufseinstieg

Die Berufsbezeichnung des Disponenten ist nicht geschützt. Man kann sich also auf Stellenanzeigen bewerben, wenn man ein betriebswirtschaftliches Studium oder eine entsprechende Ausbildung, jeweils mit Logistik Schwerpunkt, absolviert hat und Erfahrung im Bereich Organisation und Controlling besitzt. Als Hochschulabsolvent hat man mit einem Masterabschluss besonders gute Jobaussichten. Doch auch mit einem Bachelor oder einer abgeschlossenen Ausbildung lässt sich der Berufseinstieg gut meistern. Traineeships sind nicht unüblich. Aufgrund der komplexen Tätigkeiten sind sie eine gute Möglichkeit, sich intensiv auf zukünftige Führungstätigkeiten vorzubereiten. Für Hochschulabsolventen gilt der Beruf als typische Einstiegsposition in der Logistik, von wo aus der Aufstieg in das Projektmanagement oder Supply Chain Management angestrebt wird. Die meisten Disponenten arbeiten übrigens in Speditionen und Logistikunternehmen, beim Eisenbahnverkehr und bei Post- und Kurierdiensten.

5. Zukunftsaussichten für Disponenten

Der Bedarf an Disponenten ist in allen Wirtschaftsbereichen sehr groß. In Zeiten der Globalisierung braucht man mehr denn je Experten, die wissen, wie man Waren professionell von A nach B befördert. Viele kleine Speditionen haben sich in den vergangenen Jahren in Deutschland und auch weltweit zu eigenständigen Logistik-Unternehmen entwickelt, in denen Disponenten zum Einsatz kommen.

6. Karriere-Möglichkeiten

Nach der Weiterbildung zum/r Disponenten/in können sich facettenreiche Optionen zur beruflichen Weiterentwicklung ergeben. Insbesondere wenn es darum geht, auf der Karriereleiter aufzusteigen, kann eine Weiterbildung zum Betriebswirt für Verkehr oder zum Betriebswirt für Logistik sinnvoll sein.

Die Aufstiegsmöglichkeiten von Disponenten orientieren sich an der beruflichen Ausgangssituation. So kann ein Lagerlogistiker einen Kurs zum geprüften Logistikmeister absolvieren oder an einer Fachschule den Abschluss eines Betriebswirts für Logistik erwerben. Sofern ein Lagerlogistiker Zugang zu einer Hochschule bekommt, kann er ein grundständiges Studium in den Fächern Supply-Chain-Management, Logistik, Business Administration oder Betriebswirtschaftslehre anstreben. Ein Disponent für Güterverkehr könnte an einer Fachschule die Möglichkeit einer Fortbildung zum Betriebswirt für Logistik oder für Verkehr erhalten

7. Kleiner Gehaltsreport für Disponenten

Das Gehalt des Disponenten hängt vor allem davon ab, ob er als Disponent mit oder ohne Hochschulabschluss arbeitet. Je mehr Berufserfahrungen man sammelt, desto mehr Geld wird bezahlt. Andere Faktoren wie Region, berufliche Erfahrung, Größe des Unternehmens und persönliche Qualifikation beeinflussen ebenfalls die Lohnstruktur. In Deutschland verdienen Disponenten/in laut BirdieMatch-Gehaltsreport monatlich im Durchschnitt zwischen knapp 2000 und 3800 Euro.

Ein Disponent mit abgeschlossener Ausbildung, der sich durch eine Weiterbildung qualifiziert, bekommt in der Regel ein Anfangsgehalt zwischen 2.100 und 2.800 Euro brutto im Monat. Neulinge mit Studien-Abschluss können aufgrund ihrer Fachkenntnisse bereits mit einem Gehalt von 2.500–3.200 Euro in der Berufswelt Fuß fassen.

Mit 3-5 Jahren Berufserfahrung liegt der Durchschnittsverdienst bei 33.700 Euro. Mit 6 bis 10 Jahren Berufserfahrung verdient man durchschnittlich knapp 53.000 Euro.

8. Top-Chancen auch für Quereinsteiger

Die Zeit war noch nie so perfekt. Die Anzahl der unbesetzten Stellen in der Logistik steigt ins Unermessliche. Wer einen kaufmännischen Abschluss hat, braucht lediglich den schnellen Disponenten-Schliff. Eine Umschulung, die bestenfalls nur ein paar Tage dauert, und doch so viele Türen öffnet! Die beste Variante wäre natürlich, wenn ein Arbeitgeber die Umschulung bezahlt. Utopisch? Bestimmt nicht. Heute brauchen die Unternehmen dringend kompetente Fachkräfte und setzen dabei mehr und mehr auf nicht-fachgebundene Kompetenzen. 


Quelle: BirdieMatch hat sich auf Online-Job-Matching - nach dem Vorbild von Partnerbörsen - für Logistiker spezialisiert. Die Vision des im Oktober 2015 gegründeten Hamburger Unternehmens ist einfach: Logistiker sollen erfolgreich ihren Traumjob finden und Unternehmen ihre Logistik-Stellen mit passenden Kandidaten besetzen können. Ursprünglich mit dem Fokus auf kaufmännische Fach- und Führungskräfte gestartet, vermittelt BirdieMatch nun auch Jobs für Lagermitarbeiter/innen und Berufskraftfahrer/innen.  

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Andreas Scheuer

Schirmherr der Nachwuchsinitiative "Hallo, Zukunft!" ist Andreas Scheuer MdB
Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur. 

Die Nachwuchsarbeit liegt ihm besonders am Herzen: "Die Logistik hält Deutschland am Laufen. Waren es früher in erster Linie Unternehmen, die auf Logistik angewiesen waren, so sind es heute zunehmend auch ganz normale Verbraucher. So ziemlich jeder bestellt mittlerweile Waren im Internet und freut sich, wenn sie ihm in kürzester Zeit nach Hause geliefert werden. Logistik erleichtert Menschen das Leben – und ist damit eine echte Zukunftsbranche! Ich freue mich sehr, dass die Ausbildungsinitiative „Hallo, Zukunft“ dabei hilft, Schülerinnen und Schüler für diese Zukunftsjobs zu begeistern."