06.07.2022 | Leistungstest

Elektro-Lkw im Hochgebirge unterwegs

Premiere auf der Teststrecke "Großglockner Hochalpenstraße": Ein 26 Tonnen schwerer DAF CF mit Auflieger wurde einem anspruchsvollen Leistungstest im Hochgebirge unterzogen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.

DAF CF Großglockner
Der DAF CF Electric musste sich bei einer Testfahrt in den Alpen behaupten © Gerfried Vogt-Möbs/ VerkehrsRundschau

Um zu zeigen, wie leistungsfähig und stark ein E-Lkw ist, hat der in Österreich und Bayern tätige Nutzfahrzeughändler Tschann mit der Großglockner Hochalpenstraßen AG zu einer Pressefahrt eingeladen, bei der auch das Fachmagazin VerkehrsRundschau zugegen war.

„Unsere Kunden zeigen großes Interesse an Zero Emission Lösungen für den Gütertransport, waren aber gleichzeitig skeptisch ob die Fahrzeuge, die sich im Flachland bereits bewährt haben auch in einem gebirgigen Land wie Österreich einsetzbar sind. Wo, wenn nicht auf Österreichs anspruchsvollster und gleichzeitig schönster Hochgebirgsstraße, könnte man besser zeigen, wie viel zuverlässige Power in einem E-Lkw steckt und wie mühelos Steigungen von bis zu 12 Prozent überwunden werden können“, erläutert Tschann-Geschäftsführer Enrico Simma.

Vor dem Hintergrund der alpinen Gegebenheiten wurden realistische Testbedingungen für E-Lkw im „Gebirgseinsatz“ geschaffen. Jeweils etwa ein Drittel der Teststrecke fand auf der Autobahn (69 Kilometer), auf Landstraßen (48 Kilometer) und alpiner Panorama- sowie Hochgebirgsstraßen, nämlich der Großglockner Hochalpenstraße (68 Kilometer), statt.

Am 3. Juli, startete dann der wesentlichste Teil der Belastungsprüfung des 26 Tonnen schweren DAF CF Electric Sattelzugs mit einer Maximalleistung von 326 PS bei der Kassenstelle in Fusch/Ferleiten auf die Großglockner Hochalpenstraße mit Ziel Kaiser-Franz-Josefs-Höhe. Über eine Strecke von 34 Kilometern, die von der Kassenstelle Ferleiten über das Fuscher Törl weiter zum Hochtor und bis hinauf zur Kaiser-Franz-Josefs-Höhe führte, überwand der vollelektrisch angetriebene Sattelzug weitere rund 2000 Höhenmeter mit Steigungen bis 12 Prozent. Auf der Rückfahrt nach Ferleiten meisterte der E-Lkw dann nochmals 720 Höhenmeter bergauf. Alles in allem konnte mit der Fahrt nachgewiesen werden, dass der Betrieb eines vollelektrischen Lkw auch auf den neigungsreichen Strecken im Alpenraum problemlos möglich ist. Außerdem konnte durch die sogenannte Rekuperation bei der Talfahrt jeweils ein großer Teil der beim Bergauffahren zusätzlich verbrauchten Energie zurückgewonnen werden und gleichzeitig wurden auf diese Weise die mechanischen Bremsen geschont. Das ganze nicht nur CO2- sondern auch Lärm frei im Umfeld des Nationalpark Hohe Tauern, dem größten Schutzgebiet Mitteleuropas.

Energieverbrauch, Topographie und Reichweite

Bei der Anfahrt von Salzburg zur Mautstelle in Fusch/Ferleiten (117 km, Höhendifferenz 730m) wurde ein durchschnittlicher Energieverbrauch von 1,77 kWh/km ermittelt. In Ferleiten, am Fuß des Großglockenr, zeigte die Batterie noch 34 Prozent Restkapazität an. Für den zweiten Testteil am Großglockner Hochalpenstraße mit zweimaliger Überquerung des Alpenhauptkamms von Fusch/Ferleiten bis zur Kaiser-Franz-Josefs-Höhe und zurück (68km, Höhendifferenz bergauf in Summe 2664 m), wurde der Akku des DAF komplett geladen. Am Ende der Tour hatte die Batterie noch einen Ladezustand von 45 Prozent. Dies ergab einen mittleren Verbrauch von 2,7 kWh/km.

Fazit: Die Fahrt über die gesamte Teststrecke von Salzburg über Autobahn und Landstraßen und die Großglockner Hochalpenstraße und retour (302 km und 3.394m Steigungen) war vollelektrisch problemlos durchführbar – nichz zuletzt durch die Wirkung der Rekuperation (=Stromgewinnung durch Bergabfahren) die eine Ziel- und Restkapazität des LFP-Akku von 15 Prozent ermöglicht hat. (Gerfried Vogt-Möbs)

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