11.07.2016 | DEKRA Arbeitsmarkt-Report 2016:

Gefragte Berufskraftfahrer

Der einsame Trucker, der tagelang fern der Heimat unterwegs ist, scheint passé – zumindest am deutschen Stellenmarkt. Unternehmen suchen derzeit vor allem Fahrer für den regionalen Verteilerverkehr, wie der DEKRA Arbeitsmarkt-Report 2016 ergeben hat.

Unternehmen legen Wert auf professionelle Fahrer: Fachkenntnisse und Erfahrungen sind deutlich mehr gefragt als noch vor drei Jahren. © u-f-o

Hier haben Berufskraftfahrer viel Kundenkontakt und benötigen teils andere Qualifikationen als in der Vergangenheit. Verlässliche und teamfähige Bewerber mit Erfahrung im Nahverkehr sind deshalb bei der Jobsuche in einer guten Verhandlungsposition, wie die Analyse zeigt.

Der klassische Fernfahrer kommt in den Stellenmärkten weniger vor als in früheren Jahren. Für den Report wurden 350 Stellenangebote für Berufskraftfahrer untersucht, um herauszufinden, welche Aufgaben sie nun übernehmen sollen und welche Fertigkeiten und Kompetenzen Arbeitgeber von Bewerbern erwarten.

Regionale Touren überwiegen

Unternehmen suchen überwiegend Fahrer für den Regionalverkehr (59,1 %) und nicht ganz jeder fünfte Kandidat soll Touren im nationalen Fernverkehr übernehmen. Zum Vergleich: 2009 lag der Anteil von Stellenangeboten mit regionalem Fokus bei 41,4 %. Der internationale Fernverkehr spielt nur noch eine untergeordnete Rolle. Für diese Entwicklung gibt es verschiedene Gründe, beispielsweise das steigende Güteraufkommen im Nahverkehr. Der Fahrermangel und die veränderten Ansprüche an die Vereinbarkeit von Beruf und Familie fallen ebenfalls ins Gewicht. Logistikunternehmen setzen deshalb inländische Fahrer bevorzugt im Lokalverkehr ein, internationale Touren vergeben sie oft an ihre internationalen Standorte oder an Subunternehmen aus Ländern, in denen kein Fahrermangel herrscht.

Verantwortungsvoll mit Ladung, routiniert im Kundenkontakt

Schlecht gesicherte Ladung birgt viele Risiken, von Schäden an den transportierten Gütern, über eine erhöhte Unfallgefahr bis hin zu Imageschäden als Folge davon. Erfahrung im Bereich Ladungssicherung bleibt Arbeitgebern das wichtigste Anliegen, was die berufspraktischen Qualifikationen von Fahrern betrifft. Im Nahverkehr herrschen andere Arbeitsbedingungen als im Fernverkehr. Fahrer machen an vielen Stationen halt, müssen sich an fest definierte Zeitfenster halten und sich vor Ort mit den Kunden abstimmen. In den untersuchten Stellenangeboten fragen Recruiter doppelt so oft nach Erfahrung im Auslieferverkehr als noch vor drei Jahren. Idealerweise verstehen Fahrer die logistischen Prozesse in Lagern und handeln entsprechend, wenn sie Waren anliefern oder abholen.

Unternehmen legen Wert auf professionelle Fahrer: Die Stichprobe beinhaltete dreimal so viele Nennungen von Fachkenntnissen und Erfahrungen als die Untersuchung von vor drei Jahren.

ADR-Schein und Berufserfahrung von Vorteil

Die Fahrerausbildung ist gesetzlich klar geregelt: Sie müssen entweder die duale Ausbildung zum Berufskraftfahrer oder die beschleunigte Grundqualifikation nachweisen, wenn sie im gewerblichen Güter- und Personenverkehr tätig sein möchten. Diese Qualifizierungen tauchen erstmals in nennenswertem Umfang in den Stellenanzeigen auf. Bei der Stellensuche ist darüber hinaus die sogenannte ADR-Bescheinigung (21,4 %), also die Berechtigung Gefahrgut zu transportieren und der Nachweis des Gabelstaplerscheins (9,7 %) hilfreich. Nur jedes vierte Anforderungsprofil geht auf Sprachkenntnisse als Voraussetzung ein: Arbeitgeber legen vor allem Wert darauf, dass Bewerber ein gutes Deutsch sprechen. Viel wichtiger scheint ihnen Berufserfahrung: Sie wird bei nicht ganz zwei Drittel der angebotenen Stellen vorausgesetzt.

Soft Skills: Verlässliche und selbstständige Fahrer gewünscht

Gut zwei von drei Offerten beinhalten Angaben zu den persönlichen Eigenschaften, die Fahrer in ihrem zukünftigen Job benötigen. Unternehmen suchen Mitarbeiter, auf die sie sich voll und ganz verlassen können, denn Auftraggeber erwarten, dass ihre Güter pünktlich und unversehrt an ihrem Bestimmungsort eintreffen. Darüber hinaus sollen sie kooperativ in Teams arbeiten, egal ob es sich um die Kollegen in der Disposition handelt oder die Mitarbeiter des Kunden.

Die physischen Belastungen im Beruf nehmen ab, da inzwischen viele technische Hilfsmittel zum Einsatz kommen, wo früher Muskelkraft der Fahrer nötig war. Allerdings steigen die psychischen Anforderungen, unter anderem aufgrund des hohen Zeitrucks in der Logistik. Nicht ganz jedes zehnte Job-Angebot enthält deshalb den Hinweis, dass zukünftige Fahrer stressresistent sein sollten.

Verbesserte Rahmenbedingungen

Die gesuchten Mitarbeiter arbeiten, soweit Angaben dazu gemacht werden, am häufigsten tagsüber oder wochentags (13,1 % bzw. 12,9 %). Wochentouren finden in diesem Jahr gerade noch eine Erwähnung. Der Fahrermangel hat nicht nur dazu geführt, dass der Beruf familienfreundlicher geworden ist, was die Touren und Arbeitszeiten anbelangt. Auch beim Thema Gehalt und Zusatzleistungen scheint sich etwas bewegt zu haben: Jeden fünften Bewerber erwartet eine „leistungsorientierte Bezahlung“ – eine Formulierung, die für diese Berufsgruppe vor drei Jahren noch kaum existierte.
Interessant sind auch die Leistungen, die Arbeitgeber über das Gehalt hinaus bieten: Urlaubs- und Weihnachtsgeld finden sich ganz oben auf der Liste (15,7 % bzw. 14,9 %). Diese und weitere Extras fanden sich in keiner der zurückliegenden Analysen.

„Der Nachwuchsmangel bei Fahrern bleibt eine der großen Herausforderungen der Branche“, erklärt Dr. Peter Littig, Bildungspolitischer Berater der Geschäftsführung bei der DEKRA Akademie. „Monetäre Anreize und die Verbesserung der Arbeitsbedingungen allein werden diesen nicht beheben können. Zusätzlich müssen beispielsweise Rahmenbedingungen geschaffen werden, die es auch kleineren Unternehmen vereinfacht, Berufskraftfahrer auszubilden oder zu qualifizieren.“

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