01.04.2020 | Lieferketten in der Coronakrise

Keine Klopapiernot in Deutschland

In letzter Zeit stand so mancher im Supermarkt vor leeren Toilettenpapier-Regalen, dabei versichern Industrie und Handel: Es gibt genug Klopapier. Der Hafen Hamburg erklärt anschaulich, wie die Lieferketten für Papier funktionieren.

Toilettenpapier
Produziert wird bei weitem genug, trotzdem kommt wegen extremer Nachfragespitzen die Lieferkette für Toilettenpapier durcheinander © Pixabay/Jasmin Sessler

Laut Europas größtem Drogeriekonzern dm gibt es beim Toilettenpapier deutlich mehr Nachfrage als im vergangenen Jahr. Im Jahr 2019 kaufte durchschnittlich jeder Deutsche Klopapier im Wert von 20,22 Euro. Viele greifen dabei zu den Händler-Eigenmarken. WEPA, mit 13 Werken einer der größten Hygienepapier-Hersteller Europas, produziert einige dieser Private-Label-Artikel. Der Durchschnittsverbrauch einer Person beträgt sechs Rollen im Monat. Bei Betrachtung des deutschen Gesamtverbrauchs wird sich dieser auch langfristig nicht ändern: Trotz Hamsterkäufen in der Coronakrise bleibt der Gesamtbedarf der Bevölkerung gleich. Deshalb erwarten der Verband deutscher Papierindustrie (VDP) und WEPA für die Folgezeit zunächst eine sinkende Nachfrage.

Die Auftragsflut seit Anfang März führt demnach auch bei Toilettenpapier-Herstellern wie WEPA nicht zu Lieferengpässen. Hierfür laufen bei WEPA die Papiermaschinen 24 Stunden am Tag. Auch der schwedische Marktführer Essity (Tempo und Zewa) demonstriert sein Produktionsvermögen. Kürzlich versandte er innerhalb einer Woche über 66.000 Paletten Toilettenpapier aus seinem Werk in Mannheim. Auch im Zentrallager des mittelständischen Großhandelsunternehmen Bartels-Langness in Neumünster wird zurzeit im Zweischichtsystem und am Wochenende gearbeitet, um täglich 1500 Einzelhändler, Kioske und Tankstellen in Norddeutschland zu beliefern.

Aber: Normalerweise erfolgen die Bestellungen der Filialen in längeren Abständen, da Lagerkapazitäten begrenzt sind und Klopapier nicht zu Waren wie Milch gehört, die typischerweise häufiger gekauft werden. Aufgrund seines geringen Gewichtes und Kaufpreises ist zudem der Lkw-Transport von Hygienepapier erst bei kurzen Anfahrtswegen zum Verbraucher profitabel. Daher braucht es viele Produktionsstätten. Durch das plötzliche Nachfragehoch gerät die bedarfssynchrone Logistikkette durcheinander: es kommt zu Verschiebungen.
 
Grundsätzlich leidet Deutschland also nicht unter Klopapiernot, betont das Hafen Hamburg Marketing. Der Hafen, Produzenten, Lieferanten und Händler könnten die kurzzeitig gestiegene Nachfrage stillen.

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