14.08.2019 | Serie zu Logistikberufen

Kommissionierer im Berufs-Check

In Kooperation mit dem Job-Matching-Portal BirdieMatch nehmen wir die vielfältigen Jobwelt in der Transport- und Logistikbranche unter die Lupe. Dieses Mal: Kommissionierer.

Kommissionierung Lager Scan
Viele Wege führen zum Job des Kommissionierers © WavebreakmediaMicro/AdobeStock.com

Man nennt sie auch „Picker“ und „Greifer“: Kommissionierer/innen übernehmen in der Lagerlogistik den entscheidenden Part, wenn es darum geht, komplexe Lieferungen aus einer Vielzahl von Einzelteilen zusammenzustellen. Eine der großen Herausforderungen für die Kommissionierung liegt in kleinteiligen Waren- und Materialströmen. Welche Lieferung auch immer der Endkunde erwartet: sie muss komplett und stimmig sein. Wenn hier nicht genau und zuverlässig gearbeitet wird, entstehen dem Unternehmen unnötige Kosten durch Retouren und Nachlieferungen. Zunehmend versucht man heute, Fehlerquellen durch menschliches Versagen technologisch zu kompensieren. In einigen großen Unternehmen haben bereits innovative Technologien Einzug gehalten. Vor allem LED-Leisten, Smartphone-Technologien, komfortable Wearables und Datenbrillen sind auf dem Vormarsch. Aber ob mit Handheld-Scanner oder noch mit Zettel und Stift ausgestattet: der Mensch bleibt in diesem Part der Logistik-Kette nach wie vor unersetzbar. Kommissionierer/innen übernehmen auch in einem digitalisierten Arbeitsumfeld verantwortungsvolle Funktionen. Die klassische Ausbildung zur Kommissionierin oder zum Kommissionierer gibt es nicht. Welcher Weg am besten auf den Beruf vorbereitet, was man als „Picker/-in“ den ganzen Tag macht und wie der weitere Werdegang aussehen könnte, haben wir für Sie im Rahmen unserer Berufe-Serie aufbereitet.

Was machen Kommissionierer/innen?

Die Aufgaben beginnen mit dem Eingang des Kundenauftrags. Die Kommissioniere/innen verschaffen sich mit Hilfe von Kommissionslisten oder elektronischen Kommissionierungssystemen zunächst einen Überblick über Lagerplatz, Anzahl, Lieferadresse und Versandart. Sie entnehmen die Waren aus dem Lager und sind für ihre Zusammenstellung entsprechend der Auftragsvorgabe verantwortlich. Sie prüfen sie auf Vollständigkeit und Unversehrtheit und bereiten sie für den Transport vor. Bei dem Auslieferungsziel kann es sich um einen Kunden oder einen Produktionsstandort handeln.

Kommissionierung kann auf unterschiedliche Art erfolgen - von der einstufigen manuellen Kommissionierung von wenigen Aufträgen bis zum hochkomplexen Kommissionieren von bis zu 100.000 Aufträgen täglich.

Sie kann einstufig oder mehrstufig ablaufen. Eine einstufige Kommissionierung bedeutet, dass der gesamte Auftrag einzeln und vollständig abgearbeitet wird. Bei einer mehrstufigen Kommissionierung werden zunächst die Artikel sortiert und erst anschließend in einem zweiten Schritt den jeweiligen Aufträgen zugeteilt. Dieses Vorgehen erhöht besonders bei größeren Aufträge die Effizienz. Im Verantwortungsbereich liegen auch das Verpacken der Waren sowie die Anfertigung der nötigen Lieferpapiere. Kommissionierer/innen sind während ihrer Arbeit sowohl in Lagerräumen und –hallen als auch auf Lagerplätzen im Freien tätig.

Kommissionierungstätigkeiten im Überblick:

  • Auslesung der Kommissionier-Listen bzw. der Angaben aus elektronischen Kommissionierungssystemen
  • Entnahme der zusammenzustellenden Güter und Waren aus den Regalen
  • Überprüfung der Güter und Waren auf Vollständigkeit und Schäden (ggf. Ergänzung oder Austausch)
  • Kennzeichnung beschädigter Güter und Waren auf der Kommissionier-Liste bzw. im Kommissionierungssystem
  • Verpacken der Güter oder ggf. Übergabe an die Verpackungsabteilung
  • Ausstellung der Lieferpapiere

Um die benötigten Güter und Waren zu entnehmen und zu transportieren, nutzen die Kommissionierer/innen Hubwagen, Gabelstapler oder andere Flurfördermittel. Die entnommene Ware wird anschließend im EDV-Lagerbestand aktualisiert bzw. auf der Kommissionierungsliste eingebucht. In kleineren Betrieben erfolgt die Kommissionierung meist manuell nach dem „Mann zu Ware“-Prinzip. 

In größeren Betrieben unterstützen elektronische Kommissionierungssysteme die Prozesse. Sie registrieren automatisch die Entnahmen. Sehr fortschrittliche Standorte drehen das ursprüngliche System um in „Ware zu Person“. Optimierungspotenziale sieht man vor allem durch die Reduktion der Fahrwege und Suchzeiten. Mobile Regale und Datenbrillen schaffen immer flexiblere und multifunktionale Arbeitsstationen.

Wie werde ich Kommissionierer/in?

Kommissionierer bzw. Kommissioniererin ist keine gesetzlich geschützte Berufsbezeichnung. Daher gibt es in Deutschland keine gesonderte Ausbildung. Viele Beschäftigte in diesem Bereich sind Quereinsteiger. Wer Erfahrungen im Lagerwesen vorweist, hat bessere Chancen, einen Job zu finden. Besonders gut sind die Einstiegschancen, wenn man eine abgeschlossene Ausbildung im Bereich Lagerwirtschaft/Logistik absolviert hat.

Möglichkeit Nr. 1: Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik

Häufig haben Kommissionierer/innen eine zweijährige duale Ausbildung zum/zur Fachlageristen/in oder eine dreijährige duale Ausbildung als Fachkraft für Lagerlogistik absolviert. Rund die Hälfte der Bewerber hat einen mittleren schulischen Bildungsabschluss, aber auch mit einem Hauptschulabschluss hat man gute Aussichten auf einen Ausbildungsplatz.

Inhalte der Ausbildung sind unter anderem das Bedienen von Transport- und Förderanlagen, der Umgang mit Lager- und Transporttechniken sowie Lagerverwaltungssystemen, Lagerwirtschaft, Kommissionieren, Verpacken und Versenden, Entladen und Beladen.

Mehr Informationen zu dieser Ausbildung findet ihr im Hallo Zukunft-Berufeportrait.

Möglichkeit Nr. 2: Ausbildung als Fachlagerist bzw. Fachlageristin oder als Assistent/in Logistik

Alternativ zur Ausbildung zur Fachkraft Lagerlogistik kann man auch eine Ausbildung zur Fachlageristin oder zum Fachlageristen machen. Was Art, Anforderungen, und Inhalte angeht, ist sie vergleichbar mit der Ausbildung zur Fachkraft Lagerlogistik. Allerdings dauert die Lehrzeit für die/den Fachlageristin/en nur zwei Jahre. Einen weiteren Einstieg in den Beruf bietet die Ausbildung als Assistent/in Logistik. Anders als eine duale Ausbildung findet sie nicht im Betrieb, sondern an der Berufsfachschule statt. Praktische Einblicke in das künftige Arbeitsleben bekommt man bei Pflichtpraktika z.B. bei Transportunternehmen und Logistikdienstleistern.

Mehr Informationen unter:

Ausbildung Fachlagerist/in

Assistent/in Logistik

Zusatzqualifikation

Viele Arbeitgeber verlangen als zusätzliche Qualifikation für Kommissionierer/-innen einen Gabelstapler-Führerschein. Diese offiziell auch Flurfördermittelschein genannte Qualifikation kann man bei verschiedenen anerkannten Stellen erwerben. Die Ausbildung kostet je nach Anbieter in der Regel zwischen 150 und 300 Euro.

Wo arbeitet man als Kommissionierer/in?

Kommissionierer/-innen arbeiten dort, wo Lagereinheiten vorhanden sind. Vor allem sind das Speditionen und Logistikfirmen, zusätzlich finden sie in vielen Wirtschaftsunternehmen Beschäftigung.

Zu den häufigsten Branchen gehören:

  • Handel
  • Chemie, Pharmazie, Kunststoff
  • Fahrzeugbau, -instandhaltung
  • Elektro
  • Holz, Möbel
  • Metall, Maschinenbau, Feinmechanik, Optik
  • Nahrungs-, Genussmittelherstellung
  • Papier, Druck
  • Textil, Bekleidung, Leder
  • Transport, Verkehr
  • Glas, Keramik, Rohstoffverarbeitung

Welche Fähigkeiten muss man mitbringen?

Wer sich um eine Beschäftigung als Kommissionierer oder Kommissioniererin bemüht, sollte sich in seiner Bewerbung vor allem technisches Zahlenverständnis und ein Interesse an neuer Datenverarbeitung auf die Fahne schreiben. Berufsanwärter punkten in ihren Unterlagen mit folgenden Fähigkeiten:

  • Gründlichkeit und Zuverlässigkeit: Jede Entnahme und Zusammenstellung muss korrekt dokumentiert werden.
  • Affinität zu Technik: Alltäglicher Umgang mit mobiler Datenerfassung (MDE), Barcode-Scanner oder anderen computergesteuerten Systemen (RFID). Das Arbeitsumfeld in der Kommissionierung wird immer digitaler.
  • Verantwortungsbereitschaft: Verantwortung für Sachwerte: sachgerechter Umgang mit Gütern sowie sachgerechte Lagerung und Verpackung von Waren ist wichtig.
  • Kaufmännisches Verständnis in der Warenwirtschaft: SAP-Kenntnisse sind häufig erwünscht.
  • Gute körperliche Konstitution: Die Arbeit verrichtet man größtenteils im Gehen und Stehen an wechselnden Arbeitsorten. Bei wechselnden Temperaturen im Freien und in Kühllagern ist eine hohe körperliche Belastbarkeit wichtig.
  • Flexibilität bezüglich Arbeitszeiten:
    Man sollte Bereitschaft für verschiedene Arbeitszeitmodelle mitbringen, z.B. Schichtdienst, Nachtdienst, Wochenenddienst.
  • Selbstständigkeit: Bestimmte Aufträge müssen innerhalb von festen Zeitvorgaben abgearbeitet werden. Selbstständiges Arbeiten ist absolut zielführend.

Welche Zukunftsaussichten haben Kommissionierer/innen?

Die Aussichten für Kommissionierer/innen sind insbesondere in der Logistikbranche gut bis sehr gut. Schließlich erfordert jede Ware im Supermarkt, jedes Paket, jeder versandte Brief eine Vielzahl logistischer Prozesse, an denen Kommissionierer maßgeblich beteiligt sind. Aufgrund der voranschreitenden Globalisierung ist Logistik allgegenwärtig, weshalb die Branche in den vergangenen Jahren ein rasantes Wachstum hinlegte und inzwischen zu den wirtschaftsstärksten überhaupt zählt.

Welche Karrieremöglichkeiten gibt es?

Der Handel wird zunehmend komplexer und die logistischen Herausforderungen steigen. Dafür werden viele Fachkräfte mit neuen Ideen gebraucht. Wer bereit ist, sich weiterzubilden, hat gute Chancen auf eine Karriere in der Lagerhaltung. 

Weiterbildung zum rechtlich geprüften Logistikmeister

Kommissionierer können sich zum geprüften Logistikmeister weiterbilden. Das ist ein öffentlich-rechtlich anerkannter Abschluss auf Meisterebene. Die Fachkräfte tragen Verantwortung für einen optimalen Material- und Informationsfluss und die Optimierung der Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen und Kunden. Außerdem überwachen sie die Entwicklung der Kosten, verwalten Budgets und übernehmen Kontroll- und Leitungsfunktionen. 

Die Weiterbildung zum/zur Logistikmeister/in ist möglich, wenn eine der folgenden Voraussetzungen erfüllt ist:

  • eine abgeschlossene Ausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf der Fachrichtung Logistik mit mindestens einem Jahr Berufspraxis
  • eine abgeschlossene Ausbildung in einem anderen Ausbildungsberuf mit mindestens zwei Jahren einschlägiger Berufspraxis

Vom Fachlageristen zur Fachkraft der Lagerlogistik: Wer den Einstieg in den Beruf über den Ausbildungsweg zum Fachlagerist gewählt hat, dem steht die einjährige Weiterbildung zur Fachkraft der Lagerlogistik offen.

Kleiner Gehaltsreport für Kommissionierer/innen

In der Ausbildung: Die Ausbildungsvergütung im Bereich Fachkraft für Lagerlogistik beginnt bei durchschnittlich 805 Euro im Monat und endet im dritten Ausbildungsjahr bei 965 Euro. Wenn man eine Ausbildung zur Fachlageristin oder zum Fachlageristen macht, verdient man zwischen 580-800 Euro im ersten und 650-850 im zweiten Jahr. Die Ausbildung zum Assistenten Logistik ist unvergütet. 

Im Job: Als Kommissionierer oder Kommissioniererin bekommt man ein Einstiegsgehalt zwischen 1.600 und 1.800 Euro im Monat. Schon nach einiger Zeit kann das Durchschnittsgehalt auf monatlich 2.000 Euro brutto steigen. Der Verdienst hängt einerseits von der Branche ab, andererseits von dem Bundesland, in dem man arbeitet. Kommissionierer/innen mit langer Berufserfahrung können mit einem Monatsgehalt von bis zu 3.000 Euro nach Hause gehen.


Quelle: BirdieMatch hat sich auf Online-Job-Matching - nach dem Vorbild von Partnerbörsen - für Logistiker spezialisiert. Die Vision des im Oktober 2015 gegründeten Hamburger Unternehmens ist einfach: Logistiker sollen erfolgreich ihren Traumjob finden und Unternehmen ihre Logistik-Stellen mit passenden Kandidaten besetzen können. Ursprünglich mit dem Fokus auf kaufmännische Fach- und Führungskräfte gestartet, vermittelt BirdieMatch nun auch Jobs für Lagermitarbeiter/innen und Berufskraftfahrer/innen. 

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Andreas Scheuer

Schirmherr der Nachwuchsinitiative "Hallo, Zukunft!" ist Andreas Scheuer MdB
Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur. 

Die Nachwuchsarbeit liegt ihm besonders am Herzen: "Die Logistik hält Deutschland am Laufen. Waren es früher in erster Linie Unternehmen, die auf Logistik angewiesen waren, so sind es heute zunehmend auch ganz normale Verbraucher. So ziemlich jeder bestellt mittlerweile Waren im Internet und freut sich, wenn sie ihm in kürzester Zeit nach Hause geliefert werden. Logistik erleichtert Menschen das Leben – und ist damit eine echte Zukunftsbranche! Ich freue mich sehr, dass die Ausbildungsinitiative „Hallo, Zukunft“ dabei hilft, Schülerinnen und Schüler für diese Zukunftsjobs zu begeistern."