17.07.2019 | Serie zu Logistikberufen

Kraftfahrer im Güterverkehr im Berufs-Check

In Kooperation mit dem Job-Matching-Portal BirdieMatch nehmen wir die vielfältigen Jobwelt in der Transport- und Logistikbranche unter die Lupe. Dieses Mal: Kraftfahrer im Güterverkehr.

Lkw-Fahrerin
Lkw-Fahrerinnen und -Fahrer werden dringend gesucht und haben somit beste Jobaussichten © Julia Thomsen/VerkehrsRundschau

Den Horizont im Blick, die Sehnsucht nach Freiheit im Blut: lange Jahre war der Lkw-Fahrer der Marlboro-Man des Asphalts. Der Wind hat sich gedreht. Heute sind es vor allem die Logistik- und Transportdienstleister, die starke Sehnsüchte spüren. Sehnsüchte nach kompetenten, jungen Berufskraftfahrern im Güterverkehr, wie die Trucker heute offiziell heißen. Aufgrund des demografischen Wandels, des steigenden Bedarfs und der harten Arbeitsbedingungen wird es für die Unternehmen immer schwieriger, Personal zu finden. Dabei benötigt die Branche mehr Kraftfahrer denn je. Über 70 Prozent der Gütertransporte in Deutschland finden heute auf der Straße statt, Tendenz steigend.

Berufskraftfahrer/-innen sind heute in einer komfortablen Situation. Sie können sich ihren Arbeitgeber aussuchen. In den kommenden Jahren werden jährlich – nach derzeitiger Prognose – mehr als 40.000 neue Kraftfahrer benötigt. Die Alarmglocken schrillen laut durch die Branche. Das Bewusstsein der wirtschaftlichen Abhängigkeit von der Berufssparte wächst und lässt einen Nährboden für Veränderungen entstehen. Endlich wird das Image des Berufskraftfahrers aufpoliert und das Berufsbild generalüberholt. Ende 2018 haben sich die Verkehrsminister bereits auf bessere Sozialstandards für Lastwagenfahrer geeinigt. Geplant sind fairere Löhne, kürzere Touren und lange Pausen im Hotel statt in der Trucker-Kabine. Auch inhaltlich erfährt der Ausbildungsberuf eine Aufwertung. Anders als früher macht das reine Führen der Laster heute nur noch einen Teil des Jobs aus. Wir befinden uns in einem spannenden Umbruch, von dem alle Güterkraftfahrer profitieren. Welche Tätigkeiten und Verantwortungen dazu kommen, haben wir für Sie in unserem Berufs-Check aufbereitet.

1. Was machen Berufskraftfahrer im Güterverkehr?

Gelernte Berufskraftfahrer im Güterverkehr transportieren Ware quer durch die Stadt, ans andere Ende von Deutschland oder gar durch ganz Europa. Ob man tagelang unterwegs ist oder geregelte Arbeitszeiten hat, hängt von dem Arbeitgeber und seinen Aufträgen für Linien- oder Fernfahrten ab.  

Die Fahrer sorgen dafür, dass Güter pünktlich und unbeschadet ans Ziel gelangen. Auch wenn die Hauptaufgabe eines Lkw-Fahrers darin besteht, Fahrzeuge zu führen, gehört auch die Wartung und Überprüfung der Vehikel zu dem Zuständigkeitsbereich. Besonders die Verkehrstüchtigkeit muss regelmäßig kontrolliert werden, um Defekte während der Fahrt auszuschließen. Meist haben die Lkw viele und schwere Güter geladen. Jeder noch so kleine Schaden bedeutet eine Gefahr für Fahrer, andere Verkehrsteilnehmer und die transportierte Ware. Im Vorfeld sollte jedes Risiko erkannt und gebannt sein. Die Fahrer müssen in der Lage sein, Reparaturen vorzunehmen. Vor jeder Tour prüfen sie, ob mit dem Truck alles okay ist, sei es beim Reifendruck, Ölstand, Bremsen, Beleuchtung und Kühlwasser.

Wenn alles in Ordnung ist, fahren sie den Lkw zum Beladen zur Ladestelle. Sie kontrollieren, ob die Fracht richtig verstaut wird und packen dabei häufig selbst mit an. Es kommt darauf an, die Güter gut und sicher zu lagern, damit sie sich während der Fahrt nicht lösen oder kaputt gehen. Wenn alles gepackt ist, werden die Begleitpapiere geprüft. Die Ware soll zu einem Großhandelsmarkt in einem anderen Land transportiert werden? Dann müssen die nötigen Papiere für den Zoll vorhanden sein. Alles da? Dann kann es losgehen. Am Ziel angekommen, überwachen sie das Ausladen, übergeben die Fracht samt Papieren an den Empfänger und ergänzen das Fahrtenbuch.Weit über GPS hinaus ist auch das Berufsumfeld des Truckers heute digital geprägt. Neue Technologien geben ihm unterwegs mehr Sicherheit und Nähe zum zuständigen Disponenten. Per Handy oder immer öfter über Telematiksysteme stehen Lkw-Fahrer immer mit ihm in Kontakt. Sämtliche Prozesse wie Ladung und Ablieferung, Lenkzeit und Ruhezeiten sind elektronisch gestützt.

2. Arbeitszeiten

Geregelte Arbeitszeiten gibt es nur bedingt. Berufskraftfahrer sind teilweise tagelang auf der Straße und übernachten an Raststätten. Sie müssen gesetzlich vorgeschriebene Pausen einhalten. Wer innerdeutsche Linie fährt, kann sich auf einen regelmäßigeren Wochenablauf einstellen. Fernfahrer hingegen sind über längere Zeiträume unterwegs und müssen bezüglich Zeiteinteilung und Heimataufenthalte Flexibilität mitbringen.

3. Die Ausbildung zum Berufskraftfahrer

3.1. Von der Hilfskraft zur Fachkraft - Eine Ausbildung macht Karriere

Die Ausbildung zum Berufskraftfahrer ist in der Bundesrepublik Deutschland seit 1973 staatlich anerkannt. Seitdem ist auch die Berufsbezeichnung „Berufskraftfahrer“ gesetzlich geschützt. Bis dahin war der Kraftfahrer nur ein „Hilfsarbeiter mit Führerschein“. Der hohen volkswirtschaftlichen Bedeutung des gewerblichen Güterkraftverkehrs und der enormen Zunahme des Straßenverkehrs wurde durch eine bessere berufliche Qualifizierung der Fahrer Rechnung getragen. Auch die zunehmende Technisierung und der organisatorische Wandel der Logistikbranche fordern eine umfassendere Qualifizierung der Fahrer. Die Ausbildungsrichtlinien wurden im Laufe der Zeit immer wieder den geänderten und gestiegenen beruflichen Anforderungen angepasst. 2001 hat man die zweijährige Ausbildung auf drei Jahre verlängert. Dadurch erlangte der Berufskraftfahrer den Status eines echten Facharbeiters.

3.1. Güter- oder Personenfracht?

Die Ausbildung zum Berufskraftfahrer kann man in zweierlei Hinsicht gestalten. Deswegen die entscheidende Frage im Vorfeld: Wollen Sie lieber Güter oder Personen transportieren? Im Personenverkehr steuert man Linien- sowie Reisebusse und bringt Passagiere sicher an ihr Ziel. Sind Sie lieber den ganzen Tag mit Menschen zusammen? Dann ist eine Ausbildung in einem Linien- oder Reisebusunternehmen passender. Ob auf vollen Straßen in der Stadt, von Dorf zu Dorf oder von Land zu Land: Berufskraftfahrer im Personenverkehr bringen Schulkinder sicher nach Hause, kontrollieren Fahrkarten und steuern Fernreisebusse nach Spanien und Co.

Wer einen Ausbildungsbetrieb wählt, der auf Güterverkehr spezialisiert ist, ist mit dem Lkw auf Autobahnen unterwegs und sorgt dafür, dass die geladenen Güter den Empfänger rechtzeitig erreichen. Werden Sie zum Beispiel in einer Spedition ausgebildet, ist der Lkw Ihr zweites Zuhause.

In diesem Artikel haben wir uns auf den Berufskraftfahrer im Güterverkehr spezialisiert. Folgende Informationen beziehen sich ausschließlich auf den Job des Lkw-Fahrers.

3.2. Dauer und Ablauf

Die dreijährige Ausbildung zum Berufskraftfahrer ist dual geregelt und findet parallel an Berufsschule und Ausbildungsbetrieb statt. Die Abschlussprüfung beinhaltet einen praktischen und theoretischen Teil. Der praktische Teil ähnelt einer Führerscheinprüfung und beinhaltet eine Testfahrt mit einem Lkw.  Lehrfahrzeuge sind Sattelkraftfahrzeuge mit einer Mindestlänge von 16 Metern. Alle Fahrer müssen in einem periodischen Turnus von fünf Jahren eine Weiterbildung nachweisen.

Die Weiterbildung erfolgt in Lehrgängen mit 35 Unterrichtseinheiten à 60 Minuten in anerkannten Ausbildungsstätten. Sie kann speziell für den Güterkraft- oder den Busverkehr oder gleichzeitig für beide Bereiche durchgeführt werden. Die 35 Pflichtstunden lassen sich auf einzelne Blöcke aufteilen. Eine Abschlussprüfung ist nicht vorgesehen.

3.3. Voraussetzungen

Eine besondere schulische Voraussetzung wird nicht verlangt. Ein Hauptschulabschluss wird von Unternehmen häufig gewünscht. Das Mindestalter ist 16 Jahre. Der Führerschein bzw. die Fahrerlaubnis B + E können die Auszubildenden erst mit 17 und C 1 + E mit 18 Jahren erwerben.

Die gesundheitliche Tauglichkeitsuntersuchung zur Erlangung der Fahrerlaubnis ist sowohl für die Aufnahme der Ausbildung sowie auch für die Fahrerlaubnis C und E eine notwendige rechtliche Voraussetzung. Im letzten Jahr der Ausbildung kann bzw. darf auch der 18-jährige Auszubildende bereits schwere Nutzfahrzeuge mit 40 Tonnen Gesamtgewicht fahren, wenn er die Fahrerlaubnis im Wege der Einzelausnahme erlangt hat.

3.4. Ausbildungsinhalte

Die Ausbildung richtet sich nach der Berufskraftfahrer-Ausbildungsverordnung. Ziel ist die Befähigung des Berufskraftfahrers zum sicheren, verantwortungsvollen und selbstständigen Führen von Kraftfahrzeugen im Werk-, Güter-, Nah- und Fernverkehr.

Im ersten und zweiten Lehrjahr lernt man die Fahrzeuge und die Vorschriften im Straßenverkehr kennen. Dazu kommen Routenplanung und -durchführung im Inland und das Verladen von Gütern sowie der Umgang mit Kunden und Verhalten nach Unfällen. Im dritten Ausbildungsjahr gehen die Touren auch ins Ausland. Die Auszubildenden lernen, mit technischen Geräten an Board umzugehen. Die angehenden Berufskraftfahrer sind dann gut vorbereitet, ihre Kenntnisse in der Abschlussprüfung unter Beweis zu stellen. Die Prüfung besteht aus fünf praktischen Aufgaben und einer schriftlichen Prüfung.

3.5. Welche Fähigkeiten muss man mitbringen?

Angehende Berufskraftfahrer müssen wissen, dass sie einen Beruf mit viel Verantwortung übernehmen. Hier ein Überblick an Fähigkeiten, die neben einem hohen Verantwortungsbewusstsein wichtig sind, um in diesem Job zu arbeiten:

  • Interesse an technischen Zusammenhängen
  • Selbstständigkeit 
  • Mobilität
  • Gute körperliche Verfassung
  • Starke Nerven
  • Stressresistenz
  • Bereitschaft, nachts und am Wochenende zu arbeiten
  • Kontaktfreudigkeit
  • Kundenorientiertes Arbeiten


3.5. Wo kann man die Ausbildung machen?

Berufskraftfahrer im Güterverkehr finden einen Ausbildungsplatz bei:

  • Speditionen
  • Transport- und Logistikdienstleistern
  • Entsorgungsfirmen
  • Umzugsdienstleistern

4. Zukunftsaussichten

Die Arbeitsmarktsituation für Berufskraftfahrer und Berufskraftfahrerinnen ist gut, weil der Güterverkehr ständig wächst. Transport- und Wirtschaftsunternehmen suchen laufend qualifizierte Fachkräfte.

Zusätzlich hat die Trucker-Branche ein wachsendes demographisches Problem. Laut einer Auswertung durch das Kraftfahrtbundesamt gehen jedes Jahr rund 67.000 Berufskraftfahrer in Rente. 20 Prozent der Lkw-Fahrer sind älter als 55 Jahre. Dagegen kommen im laufenden Jahr nur 27.000 Nachwuchsfahrer hinzu. Die Branchenverbände stellen sich darauf ein, dass jährlich mindestens 40.000 Lkw-Fahrer fehlen werden. Für junge Berufskraftfahrer ein Eldorado. Sie können sich die Jobs aussuchen. Unternehmen versuchen vermehrt, Fahrer mit attraktiven Benefits zu locken.

5. Karrieremöglichkeiten

Die Ausbildung zum Berufskraftfahrer reicht Ihnen nicht? Dann gibt es diverse Lehrgänge, Kurse oder Seminare, um sich zu spezialisieren:

  • Gefahrgutverladung
  • Tiertransporte
  • Sicherheitstechnik

Unter bestimmten Voraussetzungen, z. B. mehrjähriger Berufserfahrung, sind verschiedene Fort- und Weiterbildungen möglich:

  • Ausbilder/-in (verantwortlich für die Ausbildung von Azubis)
  • Kraftverkehrsmeister/-in
  • Verkehrsfachwirt/-in
  • Nach dem Besuch einer Fachoberschule ist das Studium an einer Fachhochschule möglich, z. Bsp. zum Dipl.-Ingenieur Transportwesen

6. Kleiner Gehaltsreport: Berufskraftfahrer im Güterverkehr

Während der Ausbildung zum Berufskraftfahrer steigert sich das Gehalt von Jahr zu Jahr:

  • 1. Lehrjahr: zwischen 530 und 670 Euro
  • 2. Lehrjahr: zwischen 560 und 720 Euro
  • 3. Lehrjahr: zwischen 600 und 800 Euro

Da es keine festen Tarife für Auszubildende zum Berufskraftfahrer gibt, ist das Gehalt vom Arbeitgeber abhängig und kann von den Angaben abweichen.

Das durchschnittliche Einstiegsgehalt als Berufskraftfahrer ist deutlich höher und liegt bei rund 1800 Euro brutto im Monat. Generell hängt der Lohn von der Berufserfahrung ab. Je länger man als Berufskraftfahrer unterwegs ist, desto mehr verdient man. Der durchschnittliche Verdienst eines Berufskraftfahrers unter 30 Jahren liegt bei rund 2050 Euro brutto im Monat. Berufskraftfahrer zwischen 30 und 40 haben ein Gehalt von knapp 2200 Euro brutto. Damit verdienen sie rund 150 Euro mehr im Monat als ihre jungen Kollegen. Bei Berufskraftfahrern über 40 Jahren steigert sich der Verdienst auf fast 2300 Euro brutto. Ein ausgebildeter Berufskraftfahrer im Güterverkehr hat 2018 durchschnittlich in Deutschland 26.310 Euro verdient. Mehr verdient man, wenn man an Spezialisierungen oder Weiterbildungen teilnimmt. Ein Meister im Kraftverkehr übernimmt beispielsweise Fach-, Führungs- und Organisationsaufgaben in Transportunternehmen. In so einer Position verdient man bis zu 4000 Euro im Monat.


Quelle: BirdieMatch hat sich auf Online-Job-Matching - nach dem Vorbild von Partnerbörsen - für Logistiker spezialisiert. Die Vision des im Oktober 2015 gegründeten Hamburger Unternehmens ist einfach: Logistiker sollen erfolgreich ihren Traumjob finden und Unternehmen ihre Logistik-Stellen mit passenden Kandidaten besetzen können. Ursprünglich mit dem Fokus auf kaufmännische Fach- und Führungskräfte gestartet, vermittelt BirdieMatch nun auch Jobs für Lagermitarbeiter/innen und Berufskraftfahrer/innen.

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Andreas Scheuer

Schirmherr der Nachwuchsinitiative "Hallo, Zukunft!" ist Andreas Scheuer MdB
Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur. 

Die Nachwuchsarbeit liegt ihm besonders am Herzen: "Die Logistik hält Deutschland am Laufen. Waren es früher in erster Linie Unternehmen, die auf Logistik angewiesen waren, so sind es heute zunehmend auch ganz normale Verbraucher. So ziemlich jeder bestellt mittlerweile Waren im Internet und freut sich, wenn sie ihm in kürzester Zeit nach Hause geliefert werden. Logistik erleichtert Menschen das Leben – und ist damit eine echte Zukunftsbranche! Ich freue mich sehr, dass die Ausbildungsinitiative „Hallo, Zukunft“ dabei hilft, Schülerinnen und Schüler für diese Zukunftsjobs zu begeistern."