28.11.2016 | Im VR-Interview

OPA: Berufsschulen leiden!

„Hallo, Zukunft!“, die Nachwuchsinitiative für Berufe in Verkehr, Transport und Logistik veranstaltet regelmäßig Tage der offenen Tür, um junge Menschen an das Gewerbe heranzuführen. Anfang November präsentierte sich der Ausbildungsverbund OPA mehreren Schulklassen.

Hinter OPA steckt der Ostfriesisch Papenburger Ausbildungsverbund. Dort haben sich fünf Fuhr- und Speditionsunternehmen zusammengeschlossen, um im Schulterschluss Nachwuchs für die eigenen Betriebe auszubilden. Die Firmen hinter OPA sind: die Bunte Spedition GmbH (int. Teil- und Komplettladungsverkehre), die Spedition Jacob Weets e.K. (Montage und Distribution von Fahrzeugkomponenten), die Peter Jansen Spedition (komplette Insellogistik / von Baumaterialien bis zur Tiefkühlkost; in Kooperation mit der Spedition Johann Fischer KG) sowie die Akkermann Transporte GmbH (Automobillogistik).

Im Rahmen der Nachwuchsinitiative „Hallo, Zukunft!“, getragen vom BMVI, dem Verlag Heinrich Vogel - in dem auch die VerkehrsRundschau verlegt wird - und Toll Collect, präsentierte sich OPA mit allen beteiligten Unternehmen. Die Redaktion der VerkehrsRundschau (VR) hat sie interviewt.

VR: Wie hat sich die Initiative OPA entwickelt?
OPA: Gegründet haben wir die Initiative vor vier Jahren. Aus der Situation heraus, dass wir an der Hochschule in Emden eine Berufsschulklasse für BKF einrichten wollten, uns dann aber entschlossen, noch was zu verbessern. Der Reiz an diesem Ausbildungsverbund ist, dass es vier völlig unterschiedliche Transportunternehmen sind, alle mit völlig anderen Tätigkeitsfeldern und wir so den Azubis entsprechende Möglichkeiten geben können, andere Fuhrparks, andere Ladung, andere Sachen kennenzulernen.

VR: Sie machen eine Art Jobrotation?
OPA: Ja! Das war anfangs gar nicht so einfach, die Azubis davon zu überzeugen. Die fragten beim ersten Wechsel, wieso? Ich bin doch bei Ackermann, wieso soll ich denn jetzt zu Wirz? Mittlerweile hat sich das geändert. Wir informieren die Azubis schon beim Bewerbungsgespräch über den Austausch, der jeweils drei bis vier Wochen dauert. Wir wollen damit eine Qualitätsverbesserung der Ausbildung erzielen. Dazu gehört der Austausch, Unterstützungslehrgänge, Prüfungsvorbereitungen - und was auch auf keinen Fall zu kurz kommen darf: der Spaßfaktor. Etwa ein IAA-Besuch, Grillabende oder gemeinsames Kartfahren.

VR: Und in welchen Bereichen bilden Sie aus?
OPA: Berufskraftfahrer, Kaufleute Spediton und Logistikdienstleistung, Fachkraft Lagerlogistik und noch speziell Kfz-Mechatroniker, IT. Ein Bereich, der immer mehr in Anspruch genommen wird. Digitalisierung ist eine wirklich wichtige Sache für die Logistik.

VR: Wie hoch ist die Abbruchquote?
OPA: Relativ gering - vielleicht fünf Prozent. Abbrecher haben wir mehr bei den Umschülern, als bei den reinen Azubis.

VR: Bekommen Sie ausreichend Unterstützung von Politik und Verbänden?
OPA: Von den Verbänden ja, von der Politik überhaupt nicht. An den Berufsschulen gibt es das gleiche Problem: zu wenig Lehrer im Fach theoretischer Technikunterricht. Das müssen Ingenieure sein. Aber ein Ingenieur geht lieber in die freie Wirtschaft, da kann er mehr Geld verdienen. Wenn sich ein Kultusministerin dann hinstellt und sagt, wir haben dieses Jahr 500 neue Stellen geplant, ist das nur für Grund- und Hauptschulen - und die Berufsschulen leiden.
Aber wir sind als Ausbildungsverbund völlig unabhängig von politischer Unterstützung. Wir haben als Unternehmer zusammengefunden und sind sehr eng mit der Berufsschule in Emden vernetzt. Es gibt einen Beirat in dem wir uns engagieren. Wenn wir der Meinung sind, wir müssten da etwas verändern, dann versucht man gemeinsam etwas zu erreichen.
Wir können das nur gemeinsam. Der Rahmenstoffplan ist mittlerweile 16 Jahre alt, der müsste überarbeitet werden, da sind wir jetzt auf Landesebene dran. Das sind dicke Bretter, die gebohrt werden müssen.

VR: Arbeiten Sie auch beim Führerschein zusammen?
OPA: Ja. Wir sehen zu, dass unsere Azubis möglichst nach der Probezeit, die maximal vier Monate beträgt, sofort den Führerschein machen. Wir haben festgestellt, dass sie dadurch wesentlich besser motiviert sind. Anfangs waren die Azubis ein Jahr im Lager. Das hat sich nicht als sinnvoll herausgestellt. Die wollen nicht Fachkraft für Lagerlogistik werden sondern BKF.

VR: Der BGL diskutiert das Thema ‚Begleitetes Fahren im LKW mit 17‘. Was halten Sie davon?
OPA: Nicht ganz so viel ... Das ist zu jung. Und die Azubis müssten dann auch die eingeschränkte MPU machen. Letztlich kommt es immer auf die Reife des Azubis an. Grundsätzlich sind wir aber skeptisch, ob das das richtige Mittel ist, um dem Fahrermangel entgegenzuwirken.

VR: Wie suchen Sie Ihre Azubis?
OPA: Wir gehen zu Messen oder Veranstaltungen wie dieser hier. Und wir inserieren zusammen in Zeitungsanzeigen. Wir veranstalten außerdem seit drei Jahren einen Tag der Logistikberufe bei Wirz in Emden: Da kommen dann Fachreferenten, etwa ein Präventionsvermittler einer Sachverständigenorganisation oder die Polizei. Dazu gibt es Aktivitäten wie Lkw-Ziehen, Lkw selber fahren auf einem abgesperrten Gelände oder ein Stapler-Hindernisparcours. Das ist Logistik zum Anfassen!

VR: Wie kann man das Image des Berufes verbessern?
OPA: Es ist ganz wichtig, dass das als Ausbildungsberuf wahrgenommen wird. Deswegen machen wir solche Veranstaltungen eben auch, um die Schulen zu informieren Wir haben festgestellt, dass es sich vor allem im März, April lohnt, Bewerber zu suchen. Da kommen die ersten Absagen als Mechatroniker, Heizungsbauer oder Schlosser. Dann gehen einige in sich und versuchen es als Kraftfahrer.
Wir sind der Meinung, da erleben wir künftig einen Wandel, weil die potenziellen Azubis auf uns aufmerksam geworden sind. Wir sind aber auch der Meinung, dass das kein Beruf sondern schon eher eine Berufung ist - genau wie ein Pflegeberuf, da muss man Lust zu haben.

VR: Sind Ihre Lkw-Fahrer eher am Abend zu Hause oder auch während der Woche unterwegs?
OPA: Unterschiedlich, weil die beteiligten Unternehmen unterschiedlich aufgestellt sind.
Die Interessen der Azubis sind aber auch ganz unterschiedlich. Die einen wollen abends zu Hause sein und morgens wieder losfahren. Andere sagen: „Ich bin Trucker, ich will in die Ferne fahren.“ Letztlich muss das Arbeitsumfeld stimmen. Auch der Umgang miteinander. Da hat sich auch in vielen Firmen schon einiges getan. Großer Knackpunkt ist immer noch das Thema Rampe. Daran müssen wir noch arbeiten.

VR: Kommt das bei den Verladern an?
OPA: Das ist schwierig. Die Verlader sagen alle, bei uns passiert so was nicht. Das ist genauso wie jeder Verlader sagt, meine Zeitfensterbuchungen passen immer. Das ist Träumerei. Das muss man direkt von Chef zu Chef klären. Anders geht es gar nicht.

VR: Bleiben bei Ihnen Fahrzeuge stehen oder Ladungen liegen, weil sie keine Fahrer haben?
OPA: Gott sei Dank noch nicht. Aber wenn Fahrer krank werden oder Ferienzeit ist, wird es knapp. Wir kennen aber Unternehmer, die inzwischen ausländische Fahrer einsetzen. Momentan ist Laderaum knapp, Ladung ist reichlich da, da muss man manchmal kämpfen.

VR: Dann könnten Sie doch die Preise anpassen?
OPA: Da warten wir schon seit zehn Jahren drauf. Ist der Laderaum knapp, dann gehen die Preise hoch - aber nicht bei langfristigen Verträgen. Letztendlich müssen die Preise in Zukunft nach oben gehen, weil die Entlohnung auch nach oben gehen wird, und die wird steil in den nächsten Jahren nach oben gehen.

VR: Was sind Ihre wichtigsten Botschaften?
OPA: Wichtig ist, dass die Politik nicht nur redet sondern auch etwas macht, in Lehrer und auch Berufsförderung mehr investiert. Es geht in die richtige Richtung mit den DeMinimis-Mitteln, dass da auch Aus- und Weiterbildung gefördert werden. Da ist die Hoffnung, dass das weitergeht. Wie 95er Qualifizierung, dass die wieder mit aufgenommen wird.
Was auch ganz wichtig ist: Kollegen, die sich momentan noch scheuen auszubilden, weil sie meinen zu klein zu sein oder keine Auszubildenden zu finden, sollten trotzdem damit anfangen. Im Zweifelsfall einfach mit Kollegen zusammen zu arbeiten. Es gibt ja Unterstützung.
Es ist eigentlich alles gesagt. Für uns ist wichtig, wir werden auch in Zukunft weiter ausbilden, ob mit oder ohne Förderung, und wir sehen nur die Chance, den einen oder anderen mehr auszubilden, falls andere dann abspringen.
Es müssen auch nicht immer 20 oder 30 Firmen sein, dann wird es sehr problematisch bei allen Sachen die man organisiert, also ich weiß es aus anderen Bereichen, ich hab dann lieber fünf schlagkräftige Unternehmer dabei.

VR: Noch in eigener Sache: Kennen Sie eigentlich Best BKF und Best Azubi?
OPA: Ja, kennen wir. Die Best Azubi-Frage muss ich immer im Prüfungsvorbereitungskurs beantworten (lacht). In der Firma konnte das keiner beantworten.

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"Hallo, Zukunft!" ist eine Nachwuchsinitiative für Ausbildungsberufe in Verkehr, Transport und Logistik des Verlag Heinrich Vogel und seiner Fachzeitschriften. „Hallo, Zukunft!“ kooperiert mit Pro-Fahrer-Image (PROFI), einem Verein zur Förderung der Transportlogistikbranche.

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Andreas Scheuer

Schirmherr der Nachwuchsinitiative "Hallo, Zukunft!" ist Andreas Scheuer MdB
Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur. 

Die Nachwuchsarbeit liegt ihm besonders am Herzen: "Die Logistik hält Deutschland am Laufen. Waren es früher in erster Linie Unternehmen, die auf Logistik angewiesen waren, so sind es heute zunehmend auch ganz normale Verbraucher. So ziemlich jeder bestellt mittlerweile Waren im Internet und freut sich, wenn sie ihm in kürzester Zeit nach Hause geliefert werden. Logistik erleichtert Menschen das Leben – und ist damit eine echte Zukunftsbranche! Ich freue mich sehr, dass die Ausbildungsinitiative „Hallo, Zukunft“ dabei hilft, Schülerinnen und Schüler für diese Zukunftsjobs zu begeistern."

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