05.08.2022 | Berufsausbildung attraktiver machen

Start ins Ausbildungsjahr - Azubi-Appartments gegen Nachwuchsmangel

Nach zwei Corona-Jahren steht auch das neue Ausbildungsjahr wegen der wirtschaftlichen Folgen des Krieges in der Ukraine unter keinem guten Stern. Die Frage bleibt: Wie gewinnt man den Fachkräfte-Nachwuchs, der überall gebraucht wird. Eine Idee: Günstige Wohnungen.

Azubi-Wohnung gegen Nachwuchs- und Fachkräftemangel
Der Fachkräfte-Nachwuchs ist schwer zu finden. Günstige Wohnungen für Azubis könnten Abhilfe verschaffen © Elena Safonova/ iStock

Zum Start ins neue Ausbildungsjahr haben Experten und Verbände ihre Warnungen vor einem Nachwuchsmangel in vielen Branchen bekräftigt und für die Berufsausbildung geworben.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) schlug als eine mögliche Gegenmaßnahme die flächendeckende Schaffung von Azubi-Apartments vor: "Wenn unsere Gesellschaft mehr Fachkräfte braucht, dann muss sie auch dafür sorgen, dass die Auszubildenden mobiler sein können und sich in der Nähe des Ausbildungsbetriebs eine Miete leisten können", sagte DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell.  

In einem Positionspapier spricht sich der DGB für "die Einrichtung von flächendeckenden, attraktiven Azubi-Wohnheimen in Form von Azubi-Appartements" aus. Die Miete in geförderten Appartements und Wohnheimen solle nicht mehr als 25 Prozent der durchschnittlichen Ausbildungsvergütung betragen. "Wir erwarten, dass die Bundesregierung ihr angekündigtes Förderprogramm für junges Wohnen schnell auf den Weg bringt", sagte Körzell.  

Dreistellige Millionenbeträge vorgesehen 

Im Koalitionsvertrag hatten die Ampel-Parteien vereinbart, ein Bund-Länderprogramm "für studentisches Wohnen, für junges Wohnen und Wohnen für Auszubildende" aufzulegen. Bundesbauministerin Klara Geywitz hatte zuletzt in einem Interview mit dem DSW-Journal des Deutschen Studentenwerks gesagt: "Ich möchte das Programm Anfang 2023 an den Start bringen." Dabei hatte sie günstige Wohnmöglichkeiten auch für Azubis betont. Der genaue Finanzrahmen werde gerade ausgehandelt. Es gehe um dreistellige Millionenbeträge, sagte Geywitz.

Berufsausbildung attraktiver machen 

International sei die duale Berufsausbildung in Deutschland - die Kombination von Theorie in der Berufsschule mit der Praxisausbildung im Unternehmen ein "beachtetes Modell", heißt es bei der Kultusministerkonferenz. Das Bundesbildungsministerium nennt die berufliche Bildung einen "Erfolgsfaktor für den Wirtschaftsstandort Deutschland".

Nach Ansicht von Handwerkspräsident Wollseifer müsste politisch aber mehr getan werden, um die Berufsausbildung auch im Land attraktiver zu machen. Er spricht von mehr Wertschätzung, mehr Anerkennung und einer auskömmlichen Finanzierung. "Unsere Bildungsstätten sowie die Berufsschulen dürfen nicht länger als bildungspolitische Stiefkinder behandelt werden. Es darf keine Zweiklassengesellschaft in der Bildungspolitik mehr geben." Man müsse weg von der Vorstellung, dass nur ein Studium beruflichen und persönlichen Erfolg bringen könne.

Nach BIBB-Angaben können Jugendliche und junge Erwachsene mit Beginn des neuen Ausbildungsjahres aus insgesamt 327 anerkannten Ausbildungsberufen auswählen. Der Top-Ausbildungsberuf bei jungen Frauen war im vergangenen Jahr die "Medizinische Fachangestellte", bei Männern war es erneut der "Kraftfahrzeugmechatroniker".

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